GRN Nr. 229 – Methylsulfonylmethan
Das FDA-Verfahren GRN229 für MSM betrifft bestimmte Lebensmittelverwendungen. Seine Mengenangaben beschreiben Konzentrationen und Aufnahme, keine persönliche Dosierung.
Was GRAS hier bedeutet
GRAS steht für „Generally Recognized As Safe“: allgemein als sicher anerkannt unter den angegebenen Verwendungsbedingungen. Bei GRN229 meldete Bergstrom Nutrition Methylsulfonylmethan, kurz MSM, auf Grundlage wissenschaftlicher Verfahren an. Die FDA-Datenbank nennt den 25. Juli 2007 als Registrierungsdatum und den 18. Februar 2008 als Abschlussdatum. Ihr Kurzstatus lautet „FDA has no questions“.
Entscheidend ist der begrenzte Gegenstand: spezifiziertes MSM als Lebensmittelzutat. Daraus folgt weder eine allgemeine Zulassung aller MSM-Produkte noch eine bestätigte Therapiewirkung. Einen breiteren Einstieg bietet MSM: was hinter Methylsulfonylmethan steckt.
Wie die Bewertung entstand
Die FDA-Eintragsseite fasst das Verfahren zusammen. Das zugehörige Anmelderdossier von 2007 liefert die ausführliche Grundlage: Identität und Herstellung, vorgesehene Lebensmittel, ein Aufnahmemodell sowie biologische und toxikologische Untersuchungen. Es handelt sich um eine vom Anmelder beauftragte Gesamtbewertung, nicht um eine neue klinische Studie.
Das Panel aus Joseph F. Borzelleca, I. Glenn Sipes und Kendall B. Wallace legte seine Bewertung am 20. Juni 2007 vor. Die Burdock Group hatte Literatur zu MSM und seiner Ausgangsverbindung DMSO bis Dezember 2006 zusammengestellt; George A. Burdock übermittelte die Anmeldung am 11. Juli 2007. Dieser Suchstand beschreibt historische Unterlagen, keinen heutigen Forschungsüberblick.
Auf FDA-Fragen vom September folgten eine Panelerklärung vom 24. September und ein Antwortschreiben vom 27. September 2007. Eine fehlende Unterschrift wurde am 2. Oktober nachgereicht. Diese Ergänzungen gehören zu demselben Verfahren; sie sind keine zusätzlichen unabhängigen Studien.
Welche Lebensmittel und Konzentrationen gemeint waren
Die FDA-Zusammenfassung nennt bis zu 4.000 mg MSM pro kg Lebensmittel für Mahlzeitenergänzung oder Mahlzeitenersatz, Fruchtsmoothies und Durstlöschgetränke mit Fruchtgeschmack. Für Lebensmittelriegel wie Granola- und Energieriegel nennt sie bis zu 30.000 mg/kg Lebensmittel. Das Dossier beschreibt diese Einsatzgrenzen auch als 4.000 beziehungsweise 30.000 ppm – Anteile im Lebensmittel.
Die detaillierte Lebensmitteltabelle verwendet dagegen mg MSM pro g Lebensmittel und unterscheidet die Riegel genauer:
| Lebensmittel im Dossier | Vorgesehener Zusatz in mg MSM/g Lebensmittel |
|---|---|
| Fruchtsmoothies mit Milchprodukten; trinkfertige Mahlzeitenergänzung und Mahlzeitenersatz | 4 |
| Protein-Mahlzeitenersatz auf Milchbasis, als Pulver oder mit Fruchtsaft; flüssige proteinreiche Mahlzeitenprodukte | 4 |
| Süßwarenähnlicher Proteinriegel auf Soja- und Milchbasis | 4 |
| Die aufgeführten Granolariegel, einschließlich fettarmer, fettfreier und mit Joghurt überzogener Varianten | 30 |
| Angereicherter Energieriegel | 30 |
| Durstlöschgetränke mit Fruchtgeschmack, einschließlich kalorienarmer Varianten | 4 |
Damit fallen nicht alle Riegel unter denselben Wert. Der Proteinriegel steht im Dossier bei 4 mg/g. Alle Angaben dieser Tabelle beziehen sich auf die Lebensmittelmasse, nicht auf das Körpergewicht und nicht auf eine Tagesmenge. Die Verwendung war außerdem nur vorgesehen, soweit die jeweiligen Lebensmittelstandards die Zutat erlaubten. Die vom Anmelder genannte Bitterkeit bei höheren Mengen ist eine geschmackliche Begrenzung, kein toxikologischer Grenzwert.
Wie viel MSM das Modell pro Tag ergab
Für die Aufnahmeberechnung nutzte das Dossier den US-Verzehrsurvey NHANES/What We Eat in America 2001–2002: 9.701 Befragte und zwei Erhebungstage. Es berechnete hypothetisch, wie viel MSM bei den vorgesehenen maximalen Zusätzen aufgenommen würde. Die Werte beziehen sich auf Personen, die die ausgewählten Lebensmittel verzehrten.
| Modellierte Herkunft | Mittelwert in mg MSM/Tag | 90. Perzentil in mg MSM/Tag |
|---|---|---|
| Natürliche Lebensmittelquellen | 2,3 | 5,6 |
| Zusatz zu den vorgesehenen Lebensmitteln | 1.935,7 | 3.840 |
| Gesamtmodell einschließlich Supplementannahme | 2.938 | 4.845,6 |
Das 90. Perzentil beschreibt den oberen Bereich der modellierten Aufnahme. Für Supplemente setzte das Dossier mangels statistischer Verzehrsdaten pauschal 1.000 mg/Tag aus typischen Etikettangaben an. Das war eine Rechenannahme, keine gemessene Aufnahme und keine Empfehlung. Die getrennten Werte für einzelne Lebensmittelkategorien dürfen nicht zu einer persönlichen Tagesmenge addiert werden.
Eine weitere Darstellung berücksichtigt das Körpergewicht der Verzehrer. Hier bestätigte das September-Antwortschreiben 29,6 mg/kg Körpergewicht/Tag im Mittel und 57,2 mg/kg Körpergewicht/Tag am 90. Perzentil. Die anderswo im Dossier genannten 32,9 und 66,9 mg/kg Körpergewicht/Tag wurden ausdrücklich als fehlerhaft verworfen.
Davon getrennt rechnete das Panel später mit einem festen Beispielgewicht von 60 kg: Aus 3.840 mg/Tag Lebensmittelzusatz wurden 64 mg/kg Körpergewicht/Tag; für das Gesamtmodell berichtete es 80,75 mg/kg Körpergewicht/Tag. Diese Beispielrechnung ersetzt die Werte aus den Körpergewichtsverteilungen nicht. Keine dieser Modellzahlen ist eine sichere individuelle Dosis.
Welche Substanz die historische Spezifikation beschrieb
MSM, auch Dimethylsulfon oder DMSO2 genannt, wird als weiße, geruchlose, wasserlösliche kristalline Substanz beschrieben. Nach dem Herstellungsverfahren von 2007 wurde DMSO mit Wasserstoffperoxid oxidiert und das Gemisch in vier Destillationsstufen gereinigt. Laut Anmelder prüfte ein unabhängiges Labor jede Charge vor der Freigabe physikochemisch, mikrobiologisch und auf Metalle.
Die damalige Spezifikation nannte unter anderem mehr als 99,8 % MSM, weniger als 0,1 % Wasser und weniger als 0,05 % DMSO. Fünf untersuchte Chargen lagen bei 99,8–100 % MSM. Für Aluminium, Arsen, Blei, Cadmium und Quecksilber führte sie jeweils eigene niedrige ppm-Grenzen auf. Werte unter einer Messgrenze bedeuten dabei nicht, dass gar kein Metall vorhanden war. Auch die mikrobiologischen Angaben von jeweils weniger als 10 koloniebildenden Einheiten pro Gramm für Gesamtkeimzahl, Coliforme sowie Hefen und Schimmel belegen keine Keimfreiheit.
Die Tabelle führte zudem 0,5 Gewichtsprozent amorphes Siliziumdioxid auf; das Herstellungsschema beschrieb dessen Zugabe als abhängig von der Produktvariante. Die Bezugsbasis von Reinheit und Zusatz lässt sich daraus nicht weiter auflösen. Diese Angaben beschreiben die historische Akte von 2007, keine bestätigte aktuelle Produktspezifikation.
Das Dossier berichtete außerdem geringe natürliche MSM-Vorkommen etwa in Milch, Fleisch, Obst, Gemüse und Getreide. Der September-Nachtrag korrigierte dabei einen Literaturbeleg für Milch. Natürliches Vorkommen belegt weder einen Supplementbedarf noch, dass MSM ein essenzieller Nährstoff ist.
Welche Sicherheitsbefunde das Dossier zusammenfasste
Die Bewertung kombinierte Tier- und Zellversuche mit Humanbeobachtungen. Manche unveröffentlichten Untersuchungen waren selbst den Verfassern nur als Zusammenfassung zugänglich. Die folgenden Angaben geben die Darstellung des Dossiers wieder; sie sind keine unabhängige Nachprüfung der einzelnen Originalstudien.
Tierdaten: Bei Ratten wurden nach einer einzelnen oralen Gabe von 2.000 mg/kg Körpergewicht bis Tag 15 keine Todesfälle oder klinischen Vergiftungszeichen beschrieben. In einem 90-Tage-Versuch mit Wistar-Ratten war 1.500 mg/kg Körpergewicht/Tag die einzige geprüfte MSM-Dosis neben der Wasserkontrolle. Das Dossier bezeichnete sie als NOAEL, also als Dosis ohne beobachtete nachteilige Wirkung unter diesen Versuchsbedingungen. Weil nur eine Dosis untersucht wurde, entsprach der Versuch nicht den genannten FDA-Redbook-Anforderungen.
Bei den männlichen Ratten war das Nierengewicht statistisch erhöht. Ohne entsprechende Gewebeschäden bewerteten die Dossierautoren dies als nicht toxikologisch relevant. Die Beobachtung bleibt dennoch Teil des Befunds. Ein Versuch an trächtigen Ratten ergab laut Dossier bei der höchsten geprüften Dosis von 1.000 mg/kg Körpergewicht/Tag keine relevanten mütterlichen oder fetalen Befunde. Libido, Fruchtbarkeit und Implantation waren damit nicht untersucht; eine Sicherheit für schwangere oder stillende Menschen folgt daraus nicht.
Weitere Tests: Die Akte berichtete negative Ergebnisse in mehreren Tests auf Erbgutschädigung, darunter ein Maus-Mikrokerntest nach einmaliger oraler Gabe bis 2.000 mg/kg Körpergewicht. Dagegen wurden in einem Fadenwurmversuch verringerte Fruchtbarkeit und abnormale Keimzellen beschrieben; die Übertragbarkeit auf Menschen blieb begrenzt. Lokale Tests am Kaninchenauge zeigten vorübergehende Rötung und Schwellung, obwohl die abschließende Einstufung „nicht reizend“ lautete. Ihre Bedeutung für die orale Aufnahme wurde im Dossier als gering bezeichnet.
Ein Rattenversuch mit radioaktiv markiertem MSM beschrieb rasche Aufnahme und überwiegende Ausscheidung über den Urin. Eine frühere Untersuchung zur Aufnahme und Ausscheidung hielt die Akte dagegen wegen widersprüchlicher Werte für unzuverlässig. Daraus lässt sich keine allgemeingültige menschliche Halbwertszeit ableiten. Unterstützend herangezogene Wirkungs- und Tumormodelle erfassten wichtige toxikologische Größen teils nicht; sie belegen auch keine menschliche Therapiewirkung.
Humanbeobachtungen: In der beschriebenen randomisierten, doppelblinden Kim-Studie erhielten 50 Menschen mit Kniearthrose zwölf Wochen lang MSM oder Placebo. Die MSM-Menge wurde stufenweise auf 6.000 mg/Tag erhöht. Leichte Beschwerden wie Verdauungsprobleme, Müdigkeit oder Kopfschmerzen kamen laut Dossier in beiden Gruppen ähnlich häufig vor. Eine Person unter MSM brach wegen Nacken- und Rückenschmerzen ab, die Beschwerden einer früheren Niereninfektion ähnelten. Die Studie war klein und zeitlich begrenzt; „nebenwirkungsfrei“ wäre keine zutreffende Zusammenfassung.
Die offene Barrager-Untersuchung mit 50 Freiwilligen und 2.600 mg MSM/Tag über 30 Tage berichtete ebenfalls Abbrüche: einen wegen Nesselsucht und einen wegen verstärkter Allergiesymptome, daneben drei aus Zeitgründen. Bei einer offenen Kombination aus MSM, Glucosamin und Chondroitinsulfat ließen sich Beschwerden und Laborveränderungen nicht speziell MSM zuordnen. Kleine Beobachtungen zum MSM-Nachweis im Gehirn, darunter ein Einzelfall bei einem Kind, liefern keine repräsentative Langzeitsicherheit.
Was die Schlussfolgerung begrenzt und zu 2017 offenbleibt
Das beauftragte Panel hielt die vorgesehenen Lebensmittelverwendungen unter den beschriebenen Bedingungen für GRAS. Seine Schlussfolgerung setzte Lebensmittelqualität und gute Herstellungspraxis voraus. Den Verzicht auf einen spezifischen Sicherheitsfaktor begründete es mit seiner Bewertung der Gesamtevidenz. Das ist eine Panelposition, keine allgemeine Erlaubnis, Tierdosen auf Menschen zu übertragen.
Die September-Zusammenfassung verkürzte einzelne Studienbefunde zu fehlenden nachteiligen Wirkungen und bezeichnete ihre Liste als nicht erschöpfend. Die im Hauptdossier genannten Beschwerden, Abbrüche und methodischen Grenzen bleiben deshalb wesentlich. Zudem wurden Originalseiten 000060–000156 aus der freigegebenen Akte entfernt; diese Inhalte können nicht beurteilt werden.
Die FDA-Eintragsseite nennt weitere Korrespondenz vom 27. Februar 2017 zu einer Spezifikationsänderung. Diese Ergänzung wurde für diesen Artikel nicht gelesen. Ihr Inhalt wird hier nicht als Beleg verwendet. Welche Details damals geändert wurden und welche Spezifikation heute gilt, lässt sich aus den hier dargestellten Unterlagen nicht bestätigen.
Fazit
GRN229 dokumentiert eine historische GRAS-Anmeldung für spezifiziertes MSM in bestimmten Lebensmitteln. Für die Einordnung sind Lebensmittelkonzentration, modellierte Tagesaufnahme und körpergewichtsbezogene Versuchsmengen konsequent auseinanderzuhalten. Der FDA-Kurzstatus bestätigt keine Therapiewirkung; die Dossierbewertung liefert weder eine individuelle Dosierung noch uneingeschränkte Langzeitsicherheit.