Der Einfluss des täglichen Verzehrs von Methylsulfonylmethan (MSM) auf HDL-Cholesterin bei gesunden Erwachsenen mit Übergewicht und Adipositas: eine randomisierte kontrollierte Studie
Unter MSM stieg HDL gegenüber dem Ausgangswert. Ein gesicherter Vorteil gegenüber Placebo zeigte sich jedoch nicht. Die kleine Studie lässt den gesundheitlichen Nutzen offen.
Was die Studie über MSM und HDL klären sollte
Lindsey Miller und ihr Team untersuchten, ob tägliches Methylsulfonylmethan (MSM) Blutfette und weitere Stoffwechselmarker verändert. Die Studie erschien am 15. Oktober 2021 in Nutrients und ist unter NCT03716791 registriert. Allgemeine Hintergründe bietet der Überblick zu MSM.
HDL ist ein Transportpartikel für Cholesterin; gemessen wurde das darin enthaltene Cholesterin. Ein höherer Laborwert ist noch kein Nachweis, dass weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen auftreten. Für die Interpretation ist außerdem entscheidend, ob sich eine Gruppe nur gegenüber ihrem eigenen Startwert verändert oder besser abschneidet als die Vergleichsgruppe.
Wer teilnahm und wie der Versuch ablief
Die Untersuchung war als randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie angelegt: Weder Teilnehmende noch Forschende wussten, welche der als Behandlung 1 und 2 bezeichneten Kapseln MSM enthielten. Wie die Zufallsfolge erzeugt wurde, beschreibt der Artikel nicht konkret.
Teilnehmen konnten Erwachsene zwischen 18 und 65 Jahren mit einem BMI von mindestens 25 kg/m². Ausgeschlossen waren unter anderem Diabetes, Herz-Kreislauf-, Leber-, Nieren-, Schilddrüsen- und Muskelerkrankungen sowie Krebs, bestimmte Medikamente, Rauchen, Schwangerschaft und Stillzeit. „Gesund“ bezeichnet hier also eine ausgewählte Gruppe mit Übergewicht oder Adipositas.
42 Erwachsene durchliefen die Ausgangsmessungen; 22 beendeten die gesamte Untersuchung, davon 13 in der MSM-Gruppe und 9 unter Placebo. Die Ergebnistabellen beschreiben diese Abschlussgruppe. Von den 20 Personen ohne Abschluss entfielen 5 auf Ausschlusskriterien bei Studienbeginn, 3 auf unzureichende Einnahmetreue, 2 auf Terminprobleme, 1 auf ein unabhängiges medizinisches oder persönliches Problem, 2 auf Magen-Darm-Beschwerden und 7 auf COVID-Beschränkungen.
Über 16 Wochen erhielt die MSM-Gruppe 3 g/Tag; das Placebo enthielt weißes Reismehl. In beiden Gruppen wurden morgens drei Kapseln zusammen eingenommen, mit oder ohne Nahrung. Das beschreibt die Versuchsbedingungen, keine Einnahmeempfehlung. Zurückgegebene Restkapseln dienten der Kontrolle der Einnahme; eine Gesamtquote der Einnahmetreue wurde nicht angegeben. Ernährung und körperliche Aktivität sollten gleich bleiben und wurden am Anfang und Ende erfasst.
MSM im Blutserum war ab 4 Wochen signifikant erhöht; zwischen 4 und 16 Wochen unterschieden sich die Konzentrationen nicht signifikant. In den Placeboproben war MSM zu keinem Messzeitpunkt nachweisbar.
Welche Messwerte untersucht wurden
Reguläre Messungen erfolgten zu Beginn sowie nach 4, 8 und 16 Wochen. Erfasst wurden Nüchternglukose, Insulin und HOMA-IR. Dieser aus Glukose und Insulin berechnete Wert schätzt ab, wie stark der Körper gegen die Wirkung von Insulin unempfindlich ist. Hinzu kamen Gesamtcholesterin, HDL, LDL, VLDL, Triglyceride, Blutdruck, Körperzusammensetzung und Ruheumsatz.
CRP, IL-6 und TNF-α waren Entzündungsmarker. Die totale antioxidative Kapazität und 4-HNE dienten zur Beurteilung des oxidativen Status. PINP und PIIINP wurden als explorative Blutmarker für Fibrose, also Gewebevernarbung, nur zu Beginn und nach 16 Wochen erfasst. Diese Laborwerte messen keine klinischen Herzereignisse.
HDL: Anstieg innerhalb der Gruppe, kein gesicherter Placebovorteil
Laut Ergebnisteil und Abbildung 3 war HDL unter MSM nach 8 und 16 Wochen höher als zu Beginn; die p-Werte waren 0,008 und 0,013. Zwischen MSM und Placebo bestand jedoch kein statistisch signifikanter HDL-Unterschied. Eine Veränderung innerhalb der MSM-Gruppe allein belegt deshalb keine überlegene Wirkung gegenüber Placebo.
| Zeitpunkt | HDL unter MSM | HDL unter Placebo |
|---|---|---|
| Zu Beginn | 44,9 ± 3,7 mg/dL | 42,7 ± 2,5 mg/dL |
| Nach 4 Wochen | 50,7 ± 3,0 mg/dL | 46,0 ± 3,8 mg/dL |
| Nach 8 Wochen | 52,2 ± 2,9 mg/dL | 46,3 ± 3,8 mg/dL |
| Nach 16 Wochen | 51,8 ± 2,8 mg/dL | 48,0 ± 4,9 mg/dL |
Die Werte stammen aus Tabelle 2. Die Tabelle erläutert nicht ausdrücklich, ob die ±-Angaben Standardabweichungen oder Standardfehler sind; diese unterschiedliche Bedeutung der Streuungsangaben bleibt daher offen.
Zudem enthält die Veröffentlichung einen Widerspruch: Die Sternchen in Tabelle 2 markieren die MSM-Werte nach 4 und 8 Wochen, während Text und Abbildung 3 den Anstieg nach 8 und 16 Wochen nennen. Auch der tabellarische HDL-p-Wert von 0,003 darf nicht als gesicherter Unterschied zwischen MSM und Placebo gelesen werden: Der Ergebnisteil verneint diesen Gruppenunterschied ausdrücklich. Für Gesamtcholesterin, LDL, VLDL und Triglyceride wurden ebenfalls keine signifikanten Gruppenunterschiede gefunden.
CRP und Stoffwechsel: Was sich nicht verbesserte
Nach 16 Wochen lag CRP unter MSM niedriger als unter Placebo (p = 0,04). Innerhalb der MSM-Gruppe sank CRP jedoch nicht. Vielmehr stieg es unter Placebo zwischen Woche 4 und Woche 8 beziehungsweise 16 an (p = 0,039 beziehungsweise 0,021). Die Ursache dieses Anstiegs blieb ungeklärt. Der Befund belegt daher keine CRP-Senkung unter MSM; die Autoren bewerten die Entzündungswirkung insgesamt als unklar.
Bei Nüchternglukose, Insulin und HOMA-IR bestanden keine signifikanten Gruppenunterschiede. Eine verbesserte Insulinempfindlichkeit wird dadurch nicht gestützt. Auch TNF-α, IL-6 und die Marker des oxidativen Status zeigten keine signifikanten Veränderungen; PINP und PIIINP unterschieden sich nicht zwischen den Gruppen.
Für Körpermaße, Blutdruck, Ruheumsatz und den respiratorischen Austauschquotienten, ein Maß des Atemgasverhältnisses, fanden sich unter Behandlung keine Gruppenunterschiede. Ernährung und Aktivität veränderten sich über die Studiendauer nicht signifikant.
Verträglichkeit, Grenzen und Finanzierung
Bei den Nachkontrollen wurde nach Nebenwirkungen gefragt. Je eine Person aus der MSM- und der Placebogruppe brach wegen Magen-Darm-Beschwerden ab. Eine umfassende Tabelle aller unerwünschten Ereignisse fehlt. Aus der kleinen Untersuchung über 16 Wochen lässt sich keine langfristige Unbedenklichkeit ableiten.
Die geringe Zahl der Abschlüsse, die vielen Ausfälle und die relativ gesunde Auswahl begrenzen die Aussagekraft. Wegen der durch COVID erschwerten Rekrutierung konnte die geplante getrennte Auswertung nach Geschlecht nicht erfolgen. Schon zu Beginn berichtete die MSM-Gruppe eine höhere Fettzufuhr; die Autoren konnten dies nicht erklären.
Für die vielen untersuchten Biomarker verwendete das Team eine Messwiederholungs-ANOVA, also einen statistischen Vergleich wiederholter Messungen, und bei Bedarf Tukey-Nachtests. Die Ergebnisse bleiben Laborbefunde. Weder die Funktion des HDL noch der Wirkmechanismus wurden geklärt. Die Autoren weisen selbst darauf hin, dass eine medikamentös erzielte HDL-Erhöhung nicht immer bessere klinische Ergebnisse bedeutet. Ein Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist hier nicht nachgewiesen.
Die Finanzierung kam von Bergstrom Nutrition, Hersteller und Anbieter von OptiMSM, sowie aus einem New Faculty Seed Grant der Washington State University an Lindsey Miller (Grant 135541). Laut Interessenkonflikterklärung hatten die Förderer keinen Einfluss auf Design, Datensammlung, Analyse, Interpretation, Manuskript oder Publikationsentscheidung.
Originalzugänge
Die folgenden Zugänge führen zu derselben Veröffentlichung:
- Miller et al. (2021). The Effect of Daily Methylsulfonylmethane (MSM) Consumption on High-Density Lipoprotein Cholesterol in Healthy Overweight and Obese Adults: A Randomized Controlled Trial. Nutrients. DOI: 10.3390/nu13103620. PMID: 34684621.
- Miller et al. (2021). The Effect of Daily Methylsulfonylmethane (MSM) Consumption on High-Density Lipoprotein Cholesterol in Healthy Overweight and Obese Adults: A Randomized Controlled Trial. Nutrients. DOI: 10.3390/nu13103620. PMID: 34684621.
Fazit
Die Miller-Studie liefert einen Hinweis auf einen HDL-Anstieg gegenüber dem eigenen Ausgangswert, aber keinen gesicherten HDL-Vorteil von MSM gegenüber Placebo. Der CRP-Unterschied entstand bei unveränderten MSM-Werten und einem ungeklärten Anstieg unter Placebo. Zusammen mit den übrigen unauffälligen Stoffwechselmarkern und den Studiengrenzen ergibt sich daraus kein belegter gesundheitlicher Nutzen oder eine individuelle Dosierungsanweisung.