Wirkungen von Methylsulfonylmethan (MSM) auf belastungsbedingten oxidativen Stress, Muskelschäden und Schmerzen nach einem Halbmarathon: eine doppelblinde, randomisierte, placebokontrollierte Studie

MSM zeigte in dieser kleinen Halbmarathonstudie keinen gesicherten Vorteil bei Schmerzen oder Blutmarkern. Die Hinweise auf weniger Muskelschmerz blieben unsicher.

Hilft MSM bei der Erholung nach einem Halbmarathon?

Withee und sein Forschungsteam untersuchten, ob Methylsulfonylmethan (MSM) Schmerzen und messbare Belastungsfolgen nach einem Halbmarathon verändert. Die 2017 veröffentlichte Studie liefert dazu einen direkten Vergleich mit einem Scheinpräparat. Entscheidend ist dieser Gruppenvergleich: Dass Schmerzen oder Blutwerte nach dem Lauf steigen und später zurückgehen, zeigt für sich allein keine MSM-Wirkung.

Für keinen der untersuchten Schmerz- oder Blutmarker wurde ein statistisch gesicherter Vorteil gegenüber Placebo gefunden. Einige Schmerzwerte fielen unter MSM niedriger aus. Die Unsicherheit war jedoch zu groß, um daraus eine verlässliche Wirkung abzuleiten. Den allgemeinen Stoffüberblick bietet MSM: was hinter Methylsulfonylmethan steckt.

Wie lief die Studie ab?

Untersucht wurden gesunde Freizeitläuferinnen und Freizeitläufer beim Portland-Halbmarathon am 5. Oktober 2014 über 13,1 Meilen. Von 24 zugeteilten Personen beendeten 22 die Studie: jeweils 11 unter MSM und Placebo, insgesamt 17 Frauen und 5 Männer. Zugelassen waren Menschen im Alter von 21 bis 45 Jahren; das Durchschnittsalter der abschließenden Gruppe betrug 33,7 Jahre.

Die MSM-Gruppe erhielt 3 g/Tag MSM, die Kontrollgruppe 3 g/Tag Reismehlplacebo. Die Einnahme begann 21 Tage vor dem Lauf und endete 2 Tage danach, insgesamt nach 23 Tagen. Eine Aufteilung der Tagesmenge wird nicht angegeben. Das beschreibt die Versuchsbedingungen und ist keine Einnahmeempfehlung.

Die Studie wird als randomisiert und doppelblind beschrieben: Die Zuteilung sollte zufällig erfolgen und die Präparate waren in Farbe und Größe angepasst. Wie die Zufallsfolge erzeugt und bis zur Zuteilung verdeckt wurde, erklärt der Haupttext allerdings nicht. Eine Ethikfreigabe wird genannt, eine Studienregistrierungsnummer nicht.

Ausgeschlossen waren unter anderem aktuelle MSM-Einnahme, Warfarin, Kortikosteroide oder Statine, Tabakgebrauch, Schwangerschaft und Stillzeit sowie Peri- und Postmenopause. Auch umfangreichere jüngere Langstreckenlauferfahrung gehörte zu den Ausschlussgründen. Die Ergebnisse betreffen somit eine ausgewählte Freizeitlaufgruppe, keine hochtrainierte Elite und keine dieser ausgeschlossenen Gruppen.

Was wurde gemessen?

Die Ausgangsmessung fand etwa einen Monat vor dem Rennen statt. Nach dem Zieleinlauf folgten Messungen nach 15 min, 90 min, 1 Tag und 2 Tagen.

Muskel- und Gelenkschmerzen wurden getrennt auf einer visuellen Analogskala von 0 bis 100 mm eingetragen. Die Forschenden betrachteten etwa 10 mm Unterschied als möglicherweise spürbar relevant. Diese Schwelle macht einen unsicheren Gruppenunterschied aber noch nicht zu einem Wirksamkeitsnachweis.

Der primäre, für die Studienplanung maßgebliche Endpunkt war 8-OHdG im Blutserum, ein Marker für oxidative Schäden an der DNA. MDA sollte die Oxidation von Fetten abbilden. CK und LDH dienten als Marker für Muskelschäden. Solche Laborwerte sind von der Frage zu unterscheiden, ob sich Menschen tatsächlich besser fühlen oder erholen.

Schmerzen: niedrigere Werte, aber kein gesicherter Unterschied

Über beide Gruppen betrachtet waren Muskel- und Gelenkschmerzen nach 15 min, 90 min und 1 Tag gegenüber dem Ausgangswert erhöht. Nach 2 Tagen war dieser Unterschied nicht mehr statistisch signifikant. Weder die Vergleiche der Schmerzverläufe noch die berichteten einzelnen Gruppenunterschiede zeigten einen statistisch signifikanten MSM-Effekt.

Die folgende Tabelle zeigt ausgewählte Ergebnisse. Negative Differenzen bedeuten weniger Schmerzen unter MSM. Ein 95%-Konfidenzintervall beschreibt die Unsicherheit der Schätzung; enthält es null, ist auch kein Unterschied mit den Daten vereinbar.

Messung nach dem LaufUnterschied MSM minus Placebo95%-Konfidenzintervall
Muskelschmerz nach 15 min−19,8 mm−43,7 bis 4,1 mm
Muskelschmerz nach 90 min−10,6 mm−36,3 bis 15,2 mm
Muskelschmerz nach 1 Tag−10,0 mm−33,5 bis 13,7 mm
Gelenkschmerz nach 1 Tag−10,7 mm−32,7 bis 11,2 mm

Nach 15 min betrug der um den Ausgangswert bereinigte Muskelschmerz 28,7 mm unter MSM gegenüber 48,5 mm unter Placebo; der p-Wert lag bei 0,063. Beim Gelenkschmerz nach 1 Tag standen 18,6 mm unter MSM einem Wert von 29,3 mm unter Placebo gegenüber. Die Größenordnung einzelner Differenzen könnte interessant sein, doch alle aufgeführten Unsicherheitsbereiche schließen null ein. Es bleibt ein Hinweis für weitere Forschung.

Blutmarker: kein nachgewiesener MSM-Effekt

Auch nach Berücksichtigung der Ausgangswerte fand sich bei 8-OHdG, MDA, CK und LDH kein statistisch signifikanter MSM-Effekt. Die Gruppenunterschiede hatten durchweg 95%-Konfidenzintervalle, die null einschlossen.

MarkerNach 15 minNach 90 minNach 1 TagNach 2 Tagen
8-OHdG0,54 ng/mL0,94 ng/mL1,04 ng/mL1,27 ng/mL
MDA3,7 µM0,9 µM−1,1 µM−2,8 µM
LDH−12,2 U/L−8,3 U/L5,2 U/L6 U/L
Logarithmisch umgerechnete CK0,020,030,180,11

Alle Werte sind Unterschiede zwischen MSM und Placebo, keine absoluten Blutkonzentrationen. Die CK-Werte wurden für die Auswertung logarithmisch umgerechnet. Obwohl die Originaltabelle dafür U/L nennt, dürfen diese Zahlen nicht als rohe CK-Aktivitäten gelesen werden.

Nach dem Lauf stieg 8-OHdG über beide Gruppen nach 15 min und 90 min, MDA nur nach 15 min. CK und LDH lagen an allen Nachmessungen über dem Ausgangswert. Diese Belastungsreaktionen belegen keinen Nutzen von MSM. Bei einer Placebo-Teilnehmerin fehlte die Blutprobe nach 15 min; der Wert wurde mithilfe von 5 statistischen Schätzungen ersetzt.

Welche Beschwerden wurden berichtet?

Beschwerden wurden telefonisch während der Studie und bei der Abschlussbefragung erfasst. Am Ende berichteten 2 MSM-Teilnehmende leichte Magen-Darm-Beschwerden und 1 Person Schlaflosigkeit. Ob diese Angaben dieselben Personen betrafen und wie lange die Symptome anhielten, bleibt offen.

Eine Person aus der Placebogruppe brach nach einer Woche wegen selbstberichteter Energielosigkeit und Konzentrationsproblemen ab. Ein MSM-Teilnehmer schied bereits vor Beginn der Einnahme aus beruflichen Zeitgründen aus. Aus der kleinen, kurzen Untersuchung lässt sich keine langfristige Sicherheit ableiten.

Warum bleiben die Ergebnisse unsicher?

Geplant waren 32 Studienabschlüsse, erreicht wurden nur 22; ursprünglich sollten 44 Personen rekrutiert werden. Die Planung zielte beim primären Blutmarker auf eine statistische Teststärke von 80 %. Die kleinere tatsächliche Gruppe begrenzt die Chance, einen vorhandenen Unterschied zuverlässig zu erkennen. Fehlende Signifikanz beweist daher auch nicht, dass MSM unter allen Bedingungen wirkungslos ist.

Die Ausgangsmessung lag etwa einen Monat vor dem Rennen, nicht unmittelbar davor. Training und Ernährung waren nicht kontrolliert. Viele Endpunkte, Messzeitpunkte und Auswertungsvarianten erhöhen zudem die Gefahr zufälliger Auffälligkeiten; eine Korrektur für diese Vielzahl wird nicht beschrieben. Die geringe Männerzahl erlaubte keine belastbaren Geschlechtsvergleiche. Schwankungen zwischen Labortestdurchläufen begrenzen zusätzlich die Messung des primären Markers.

Auch im Bericht bleiben Widersprüche: Der Text nennt fehlende Schmerzfragebögen einer MSM-Teilnehmerin, die Ergebnistabelle dagegen 11 ausgewertete Personen unter MSM und 10 unter Placebo. Beim höchsten logarithmischen CK-Wert nennt der Text den Messzeitpunkt T4, die Tabelle zeigt ihn an T3. Diese Angaben lassen sich aus dem Bericht nicht eindeutig auflösen.

Bergstrom stellte MSM und Placebo bereit und bezahlte Labortests. Eric Withee war während der Studie bei Bergstrom beschäftigt, laut Interessenerklärung jedoch nicht von der Firma für die Studiendurchführung bezahlt. Die übrigen Forschenden erhielten laut Erklärung keine Bergstrom-Vergütung; die Firma habe Design, Datenerhebung und Analyse nicht beeinflusst. Heather Zwickey wurde zusätzlich durch einen NIH-Grant unterstützt. Diese Verbindungen gehören zur Einordnung der Studie.

Originalzugang: Originalartikel über DOI · Originalartikel als PDF.

Fazit

Die kleine Halbmarathonstudie liefert keinen gesicherten Beleg, dass MSM Schmerzen oder untersuchte Blutmarker günstiger beeinflusst als Placebo. Niedrigere einzelne Schmerzwerte sind ein unsicheres Forschungssignal. Kleine Teilnehmerzahl, breite Unsicherheitsbereiche und methodische Grenzen verhindern eine verlässliche Nutzenbewertung; eine persönliche Einnahmeempfehlung oder langfristige Sicherheitszusage folgt daraus nicht.

Quellen

  1. Withee et al. (2017). Effects of Methylsulfonylmethane (MSM) on exercise-induced oxidative stress, muscle damage, and pain following a half-marathon: a double-blind, randomized, placebo-controlled trial. Journal of the International Society of Sports Nutrition. DOI: 10.1186/s12970-017-0181-z. PMID: 28736511.