Methylsulfonylmethan verbessert die kniebezogene Lebensqualität bei Menschen mit leichten Knieschmerzen: eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie

Nach zwölf Wochen war ein Knie-Fragebogenwert unter MSM knapp günstiger als unter Placebo. Die Veränderung seit Studienbeginn unterschied sich jedoch nicht eindeutig.

Welche Frage untersuchte Toguchi?

Akifumi Toguchi und Mitautoren untersuchten, ob Methylsulfonylmethan, kurz MSM, die kniebezogene Lebensqualität bei japanischen Erwachsenen mit leichten Knieschmerzen verändert. Die Studie erschien 2023 in Nutrients und war unter UMIN000044258 registriert. Sie untersuchte ausgewählte Personen ohne behandelte Knieerkrankung; sie ist kein Nachweis für eine Arthrosebehandlung.

Entscheidend für das Verständnis ist, welche Messung im Mittelpunkt stand: Der primäre Endpunkt war der JKOM-Gesamtwert nach zwölf Wochen, nicht seine Veränderung gegenüber dem Ausgangswert. JKOM ist ein selbst ausgefüllter Fragebogen zu Beschwerden und Einschränkungen durch das Knie. Er summiert 25 Antworten zu einem Wert von 0 bis 100 Punkten; niedrigere Werte bedeuten weniger Einschränkung.

Wer nahm teil und wie lief die Studie ab?

Gesucht wurden als gesund bezeichnete japanische Erwachsene ab 20 Jahren mit leichten Knieschmerzen. Im Röntgenbild mussten sie die Kellgren-Lawrence-Stufe 0 oder 1 aufweisen. Nach ärztlicher Eignungsprüfung wurden Personen mit höheren JKOM-Werten bevorzugt ausgewählt.

Ausgeschlossen waren unter anderem Menschen mit behandelten Knieerkrankungen einschließlich Arthrose, behandelten chronischen Erkrankungen oder der Verwendung von Medikamenten, Supplements oder funktionellen Lebensmitteln. Weitere Ausschlüsse betrafen produktbezogene Allergien, Schwangerschaft, Stillzeit oder Schwangerschaftsplanung sowie bestimmte Tumor- und Herzerkrankungen beziehungsweise Herzgeräte. Die Ergebnisse gelten deshalb für eine eng ausgewählte Gruppe.

Von 163 gescreenten Personen wurden 88 nach dem Zufallsprinzip auf zwei gleich große Gruppen verteilt. Je 44 erhielten MSM oder Placebo. Die Zufallszahlen wurden computergestützt erzeugt. Teilnehmende, Ärzte, Untersuchende und Analysten waren verblindet, kannten also die Zuordnung nicht. Die Verdeckung der Zuteilung vor dem Einschluss ist nicht näher beschrieben.

Über 12 Wochen wurden täglich zehn Tabletten mit jeweils 200 mg MSM oder jeweils 200 mg Laktose als Placebo eingesetzt, verteilt auf Frühstück und Abendessen. Aussehen und Geruch waren gleich. Dies beschreibt die untersuchte Einnahme, keine persönliche Dosierungsanweisung. Untersuchungstermine lagen am Anfang sowie nach 4, 8 und 12 Wochen.

Die Wirksamkeitsauswertung umfasste schließlich 39 Personen unter MSM und 41 unter Placebo. Sie folgte dem Per-Protokoll-Prinzip: Personen mit unzureichender Einnahmetreue wurden ausgeschlossen. Eine Wirksamkeitsanalyse mit allen ursprünglich zugeteilten Teilnehmenden wurde nicht berichtet. Das Flussdiagramm nennt zusätzlich einen Verlust bei der Nachbeobachtung im MSM-Arm; dessen Überlappung mit den Ausschlüssen wird nicht ausdrücklich erläutert. Er darf nicht nochmals von den angegebenen Auswertungszahlen abgezogen werden.

Das mittlere Alter betrug in beiden ausgewerteten Gruppen 48,9 Jahre. Die mittlere protokollierte Einnahmetreue lag laut Original bei 100,4 % und 100,5 %; diese Werte liegen tatsächlich über hundert Prozent. Die Ernährung wurde jeweils für die drei Tage vor einem Termin dokumentiert. Eine standardisierte Ernährung oder ein einheitliches Bewegungsprogramm ist nicht beschrieben.

Was zeigen Endwert und Veränderung des JKOM?

Beide Gruppen berichteten im Verlauf weniger Einschränkungen. Die folgende Tabelle trennt die Ausgangswerte, den primären Endwert und die zusätzliche Veränderungsanalyse. Die Angaben nach dem ±-Zeichen sind Standardabweichungen: Sie beschreiben die Streuung innerhalb der jeweiligen Gruppe.

JKOM-GesamtwertMSMPlaceboGruppenvergleich laut Publikation
Studienbeginn18,2 ± 6,7 Punkte19,9 ± 7,5 PunkteUnterschied nicht statistisch signifikant
Nach 12 Wochen: primärer Endpunkt8,1 ± 4,2 Punkte10,9 ± 7,6 PunkteDifferenz −2,8 Punkte; 95 %-Konfidenzintervall −5,5 bis −0,1; p = 0,046
Veränderung bis Woche 12−10,2 ± 7,0 Punkte−9,0 ± 7,0 PunkteModellunterschied −2,1 Punkte; 95 %-Konfidenzintervall −5,0 bis 0,7; p = 0,144

Der Endwert war damit knapp statistisch signifikant günstiger unter MSM. Das Konfidenzintervall zeigt die Unsicherheit der geschätzten Differenz. Ob diese Größenordnung für die Teilnehmenden spürbar relevant war, bleibt offen: Eine Schwelle für klinisch bedeutsame Verbesserungen oder eine entsprechende Auswertung einzelner Personen wurde nicht angegeben.

Bei den Veränderungen seit Studienbeginn war der Unterschied dagegen nicht statistisch eindeutig. Dafür nutzten die Autoren ein gemischtes statistisches Modell, das unter anderem Ausgangswerte und wiederholte Messungen berücksichtigt. Seine Differenz ist deshalb nicht durch einfaches Subtrahieren der gerundeten Gruppenänderungen zu ersetzen. Bereits nach 4 und 8 Wochen hatten sich die JKOM-Gesamtwerte nicht signifikant zwischen den Gruppen unterschieden.

Welche weiteren Ergebnisse wurden beobachtet?

Die Gesundheitskomponente des JKOM lag nach zwölf Wochen bei 1,2 ± 1,0 Punkten unter MSM und 1,8 ± 1,2 Punkten unter Placebo. Die berichtete Differenz betrug −0,6 Punkte, mit einem 95 %-Konfidenzintervall von −1,0 bis −0,1. Auch ihre Veränderungsanalyse war laut Autoren statistisch signifikant; die gerundete obere Intervallgrenze wird im Supplement jedoch mit 0,0 angegeben. Dieser sekundäre Selbstbericht belegt keine allgemeine körperliche Gesundheitsverbesserung.

Für die zusätzliche visuelle Schmerzskala, die Bereiche Schmerz und Steifigkeit, Alltag und allgemeine Aktivitäten sowie den ärztlichen JOA-Gesamtwert zeigte sich nach zwölf Wochen kein signifikanter Gruppenunterschied. Der JOA beurteilt Geh- und Treppenschmerz, Beweglichkeit und Gelenkerguss. Anders als beim JKOM bedeuten höhere JOA-Werte auf der Skala von 0 bis 100 Punkten weniger Beeinträchtigung. Auch die Veränderungsanalysen dieser Messgrößen waren nicht eindeutig; die genannte Gesundheitskomponente war die Ausnahme.

Einzelne Fragen zeigten zu ausgewählten Zeitpunkten Unterschiede, etwa zu Morgen- oder Stehschmerz. Hier wurden jedoch viele sekundäre Tests durchgeführt, ohne berichtete Korrektur für Mehrfachvergleiche. Zudem widerspricht die pauschale Aussage der Diskussion über verbesserten Nachtschmerz nach zwölf Wochen dem Ergebnisdiagramm: Dort beträgt p für diese Frage 0,064 und ist nicht statistisch signifikant. Nach acht Wochen war dagegen ein nominal signifikanter Unterschied berichtet worden. Solche Einzelbefunde sind vorsichtig einzuordnen.

Belegen die Blutmarker einen Wirkmechanismus?

Die Studie erfasste zusätzlich Entzündungs- und Kollagenmarker. Für IL-1β, IL-6, hs-CRP und C2C ergaben sich weder bei den gemessenen Werten noch bei ihren Veränderungen signifikante Gruppenunterschiede. Der ursprünglich geplante Kollagenspaltungsmarker war wegen eingeschränkter Verfügbarkeit während der COVID-19-Zeit durch C2C ersetzt worden.

Beim Kollagenmarker PIICP zeigte das Veränderungsmodell bis Woche 8 einen Unterschied von 30,0 ng/mL, mit einem 95 %-Konfidenzintervall von 7,8 bis 52,2 und p = 0,008. Bis Woche 12 bestand dieser Unterschied nicht mehr. Auch hier ist der Modellwert keine einfache Differenz der gerundeten Gruppenmittel. Der vorübergehende Markerbefund belegt keinen Knorpelaufbau. Antioxidative Messgrößen wurden nicht erhoben; entsprechende Erklärungen bleiben Hypothesen.

Was berichtet die Studie zur Sicherheit?

Die Autoren berichten für die zwölf Wochen keine unerwünschten Ereignisse und keine bei Untersuchungen oder Gesprächen festgestellten Gesundheitsprobleme. Die Sicherheitsauswertung bezog sich auf jeweils 44 Personen pro Arm. Das bedeutet nicht, dass alle einzelnen Laborbefunde unauffällig waren.

So weist das Supplement nach zwölf Wochen bei 7 von 43 untersuchten Personen unter MSM und 2 von 44 unter Placebo okkultes, also im Test nachgewiesenes Blut im Urin aus. Die berichtete Differenz beträgt 11,7 Prozentpunkte, mit einem 95 %-Konfidenzintervall von −1,1 bis 24,5 und p = 0,089. Der Unterschied war nicht statistisch signifikant; die Publikation belegt keine ursächliche Zuordnung zu MSM. Er darf aber auch nicht als vollständige Abwesenheit auffälliger Befunde dargestellt werden.

Die übrigen Urinbefunde zeigten keine signifikanten Gruppenunterschiede. Die Bluttabellen enthalten ebenfalls einzelne Auffälligkeiten, etwa bei Blutbild-, Leber-, Nieren-, Elektrolyt-, Lipid- und Glukosewerten. Die gedruckten p-Werte ergeben keine signifikanten Unterschiede. Bei HDL nach acht Wochen widersprechen sich jedoch die Angaben: Das gedruckte Konfidenzintervall schließt null aus, während der gedruckte p-Wert von 0,116 nicht signifikant ist. Diese Inkonsistenz bleibt bestehen; sie erlaubt keine eindeutige neue Schlussfolgerung.

Die Tabellen nennen für die einzelnen Auffälligkeiten keine vollständigen Grenzwerte und individuellen klinischen Einordnungen. Eine kleine, kurze Studie mit ausgewählten Teilnehmenden kann deshalb weder seltene noch langfristige Risiken zuverlässig ausschließen. Auch auf ausgeschlossene Gruppen wie Schwangere lassen sich die Befunde nicht übertragen.

Grenzen, Finanzierung und Einordnung

Die Stichprobenplanung ging von einem großen Effekt aus. Insgesamt bleibt die Aussage auf eine kurze Studie und überwiegend subjektive Beschwerden bei ausgewählten Erwachsenen mit niedriger Röntgenstufe begrenzt. Die Per-Protokoll-Auswertung, fehlende ergänzende Wirksamkeitsanalyse aller Randomisierten, zahlreiche sekundäre Vergleiche und die fehlende klinische Relevanzschwelle schränken die Einordnung zusätzlich ein.

Finanziert wurde die Arbeit von Chlorella Industry. Toguchi, Noguchi und Kanno waren laut ihren institutionellen Angaben in der Forschungsabteilung dieses Unternehmens beschäftigt, obwohl die Autoren keine Interessenkonflikte erklärten. Toguchi und Noguchi waren an der Konzeption, Toguchi und Noguchi zusammen mit Yamada an Datenanalyse und Manuskript beteiligt. Ortho Medico rekrutierte die Teilnehmenden und führte statistische Analysen durch. Eine separate Erklärung, der Geldgeber sei an der Arbeit nicht beteiligt gewesen, wird nicht berichtet. Diese Verbindungen sind für die Bewertung der Unabhängigkeit relevant.

Der Befund ist ein begrenzter Hinweis auf einen günstigeren Fragebogen-Endwert. Er belegt weder Arthrosetherapie oder -vorbeugung noch Knorpelregeneration oder eine allgemeine Gesundheitsverbesserung. Der Überblick MSM: was hinter Methylsulfonylmethan steckt ordnet den Stoff über diese einzelne Untersuchung hinaus ein.

Originalpublikation aufrufen

Der Quellenabschnitt enthält den vollständigen bibliografischen Beleg mit dem frei zugänglichen Volltext bei PubMed Central. Ein weiterer Zugang zu derselben Studie ist der Verlagszugang über DOI.

Die Supplementtabellen S1 bis S5 ergänzen diese Veröffentlichung um Veränderungsanalysen und Laborbefunde. Sie gehören zur selben Studie und stellen keine zusätzlichen Untersuchungen dar.

Fazit

Der primäre JKOM-Wert nach zwölf Wochen fiel unter MSM knapp günstiger aus als unter Placebo. Der Vergleich der Veränderungen seit Studienbeginn und die meisten weiteren Messgrößen zeigten dagegen keinen eindeutigen Vorteil. Die klinische Bedeutung bleibt offen; Unternehmensverbindungen, die ausgewählte Population und begrenzte Sicherheitsdaten müssen bei der Einordnung mitberücksichtigt werden.

Quellen

  1. Akifumi Toguchi et al. (2023). Methylsulfonylmethane Improves Knee Quality of Life in Participants with Mild Knee Pain: A Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Trial. Nutrients. DOI: 10.3390/nu15132995. PMID: 37447322.