Wirksamkeit einer Methylsulfonylmethan-Supplementierung bei Kniearthrose: eine randomisierte kontrollierte Studie

MSM schnitt bei einigen Kniearthrose-Messwerten besser ab als Placebo. Ob die Unterschiede spürbar waren, blieb unklar; die Zuteilung und Auswertung begrenzen die Aussagekraft.

Was zeigt die MSM-Studie von Debbi?

Debbi und sein Forschungsteam untersuchten 2011 in einem israelischen Zentrum, ob Methylsulfonylmethan (MSM) Beschwerden bei Kniearthrose verändert. Nach 12 Wochen zeigten sich bei einzelnen Fragebogenwerten statistische Unterschiede zugunsten von MSM. Daraus ergibt sich jedoch kein verlässlicher Nachweis eines spürbaren Nutzens: Die Veränderungen waren klein, die Ergebnisse verschiedener Messverfahren uneinheitlich und die Gruppen schon vor Beginn unterschiedlich.

Besonders wichtig ist ein Blick auf die Methode. Obwohl der Originaltitel von einer randomisierten Studie spricht, beschreibt der Bericht eine abwechselnde Zuteilung nach Einschlussreihenfolge. Außerdem stehen unbereinigte Effektschätzungen neben statistischen Tests, die Ausgangsunterschiede berücksichtigen. Diese Angaben dürfen nicht zu einer vermeintlich einheitlichen Wirkungsschätzung zusammengezogen werden. Ein allgemeiner Überblick steht unter MSM: was hinter Methylsulfonylmethan steckt.

Wer nahm teil – und warum stehen dort 49 und 50 Personen?

Untersucht wurden Erwachsene mit seit mindestens 6 Monaten bestehenden Beschwerden und im Röntgenbild bestätigter Kniearthrose. Von 60 Personen, die einer Teilnahme zustimmten, erfüllten laut Methodenteil 50 die Kriterien und wurden zugeteilt: jeweils 25 zu MSM und Placebo. Der Abstract nennt dagegen 49 Teilnehmende. Der Originalbericht löst diese Abweichung nicht nachvollziehbar auf.

Andere Arthritisformen, Knieinstabilität oder eine jüngere Knieverletzung, Diabetes, Fibromyalgie, andere chronische Schmerzsyndrome sowie gerinnungs- oder thrombozytenhemmende Arzneimittel waren unter anderem Ausschlussgründe. Kniearthroskopie oder Injektionen ins Gelenk innerhalb der vorangegangenen 3 Monate führten ebenfalls zum Ausschluss. Wer andere Arthrosebehandlungen oder entzündungshemmende Schmerzmittel nutzte, musste vor Einschluss eine Auswaschphase von 10 Tagen durchlaufen. Das waren Studienvorgaben, keine Empfehlung, Medikamente abzusetzen. Weitere standardisierte Begleitbehandlungen werden nicht beschrieben.

Bei der letzten Nachkontrolle fehlte eine Placeboperson wegen eines Schlangenbisses. Eine Person unter MSM hatte den WOMAC-Fragebogen vergessen. Beide blieben in der Auswertung ihrer ursprünglich zugeteilten Gruppe; fehlende Folgemessungen wurden durch die letzte verfügbare Beobachtung ersetzt. Diese sogenannte Intention-to-treat-Auswertung verhindert hier nicht die Unsicherheit durch fehlende Daten. Die angegebene Studienregistrierung lautet NCT01188213.

Zuteilung und Einnahmebedingungen

Die Teilnehmenden erhielten fortlaufende Nummern. Gerade Nummern bekamen Flaschen aus einer Box, ungerade Nummern aus einer anderen. Am Studienende wurden die geraden Nummern als MSM und die ungeraden als Placebo identifiziert. Das ist eine alternierende Zuteilung nach Ankunft, keine beschriebene computergenerierte Zufallsfolge.

Die extern vorbereiteten Flaschen trugen nur Seriennummern; das Placebo entsprach MSM in seinen Eigenschaften. Die Studie wird als doppelblind bezeichnet. Trotzdem unterschieden sich die Gruppen zu Beginn deutlich bei Geschlecht, Body-Mass-Index und körperlichem Funktionstest: In der MSM-Gruppe waren 4 Männer, in der Placebogruppe 13. Die statistischen Analysen berücksichtigten diese Ausgangsunterschiede.

Getestet wurden 3,375 g/Tag MSM über 12 Wochen. Die gereinigten Tabletten enthielten jeweils 1,125 g und wurden im Studienprotokoll dreimal täglich zu Mahlzeiten, nicht vor dem Schlafengehen, gegeben. Placebo wurde gleich häufig eingesetzt. Diese Angaben beschreiben die untersuchte Menge und Anwendung; eine persönliche Dosierungs- oder Therapieempfehlung folgt daraus nicht.

Was bedeuten WOMAC, VAS und die Funktionstests?

Untersuchungen fanden zu Beginn sowie nach 6 und 12 Wochen statt. Bei beidseitiger Arthrose wurde das anfänglich stärker betroffene Knie bewertet. Die Verfahren erfassten unterschiedliche Aspekte:

  • WOMAC: Ein Fragebogen zu Schmerz, Steifigkeit, körperlicher Funktion und Gesamtsymptomen. Die Skala reichte von 0 bis 100 mm; niedrigere Werte bedeuteten weniger Beschwerden.
  • Schmerz-VAS: Eine separate Linie von 0 bis 10 cm, auf der die Schmerzstärke markiert wurde. Auch hier waren niedrigere Werte günstiger.
  • ALF: Ein praktischer Funktionstest. Addiert wurden die Zeiten für 8 m Gehen, den Auf- und Abstieg über 7 Stufen und den Wechsel vom Sitzen zum Stehen. Kürzere Zeiten bedeuteten bessere Leistung.
  • SF-36 und Knie-Scores: SF-36 erfasste gesundheitsbezogene Lebensqualität. KSKS und KSFS bewerteten Kniezustand beziehungsweise Funktion und waren sekundäre Endpunkte. Alle drei wurden von 0 bis 100 Punkten skaliert; höhere Werte waren günstiger.

Ergebnisse nach 12 Wochen: Fragebogen und Test unterscheiden

Beim WOMAC verbesserten sich die Werte unter MSM, während sie unter Placebo schlechter wurden. Der Gruppenunterschied umfasst also beides. Er ist nicht gleichbedeutend mit der Verbesserung innerhalb der MSM-Gruppe.

WOMAC-BereichÄnderung unter MSMÄnderung unter PlaceboUnbereinigter Unterschied zugunsten MSM mit 95%-Konfidenzintervall
Körperliche Funktion−7,7 mm+6,9 mm14,6 mm; 4,3 bis 25 mm
Gesamtsymptome−8,4 mm+6,5 mm15 mm; 5,1 bis 24,9 mm
Schmerz−9 mm+3,5 mm12,4 mm; 0 bis 24,8 mm
Steifigkeit−11,7 mm+15,5 mm27,2 mm; 8,2 bis 46,2 mm

Das 95%-Konfidenzintervall zeigt die Unsicherheit einer Schätzung. Die Werte der Tabelle stammen aus der unbereinigten Auswertung. Die separat berichteten, um Ausgangsunterschiede bereinigten Tests ergaben p = 0,04 für Funktion und p = 0,03 für Gesamtsymptome. Für Schmerz und Steifigkeit lag der bereinigte p-Wert jeweils bei 0,08 und damit nicht im statistisch signifikanten Bereich. Unbereinigte Intervalle und bereinigte p-Werte gehören zu unterschiedlichen Auswertungen; scheinbare Widersprüche dürfen nicht zugunsten eines stärkeren Effekts aufgelöst werden.

Auf der separaten Schmerz-VAS sank der MSM-Wert um rund 0,2 cm, während der Placebowert um 0,6 cm stieg. Die Studie nennt eine Veränderungsdifferenz von 0,7 cm mit einem unbereinigten 95%-Konfidenzintervall von −0,9 bis 2,4 cm. Dieses Intervall schließt auch keinen Unterschied ein. Der unbereinigte p-Wert betrug 0,38, der bereinigte 0,05: ein grenzwertiges Ergebnis. Im Abstract steht hierfür fälschlich die Einheit s; Messmethode und Ergebnisteil verwenden cm.

Beim ALF-Funktionstest verbesserte sich MSM um 6,8 s, Placebo verschlechterte sich um 0,8 s. Der unbereinigte Unterschied betrug 7,6 s, mit einem 95%-Konfidenzintervall von 2,9 bis 12,2 s. Nach Bereinigung der Ausgangsunterschiede war der Vergleich mit p = 0,09 nicht signifikant.

Der SF-36 stieg unter MSM um 8,1 Punkte und sank unter Placebo um rund 3,4 Punkte. Im Ergebnisteil wird ein Unterschied von 11,6 Punkten genannt, mit einem unbereinigten 95%-Konfidenzintervall von 1,0 bis 22,1 Punkten. Die Originaltabelle stellt den Kontrast mit umgekehrtem Vorzeichen dar. Der bereinigte Test ergab p = 0,54 und keinen signifikanten Unterschied.

Auch die sekundären Knie-Scores waren nicht signifikant verschieden: Beim KSKS betrug die Differenz 9,0 Punkte, mit einem 95%-Konfidenzintervall von −0,8 bis 18,8 Punkten und bereinigt p = 0,09. Beim KSFS waren es 0,1 Punkte, mit einem Intervall von −7,8 bis 8,1 Punkten und p = 0,63.

Waren die Unterschiede für Betroffene spürbar?

Ein statistischer Unterschied beantwortet diese Frage noch nicht. Das Forschungsteam bewertete die beobachteten Schmerzverbesserungen nicht als klinisch relevante Verbesserung nach den im Bericht dargestellten OMERACT/OARSI-Kriterien. Insgesamt bezeichnete es die Veränderungen als klein und ihre spürbare Bedeutung als unklar.

Die Studie beschrieb dafür entweder mindestens 50 % Verbesserung bei Schmerz oder Funktion zusammen mit mindestens 20 mm Abnahme oder mindestens 20 % Verbesserung sowohl bei Schmerz als auch Funktion zusammen mit mindestens 10 mm Abnahme auf den betreffenden Skalen. Diese Regeln erläutern die Bewertung im Paper; sie sind keine Anleitung zur individuellen Beurteilung.

Nebenwirkungen, Grenzen und Finanzierung

Während der 12 Wochen berichteten Teilnehmende bei direkter Nachfrage keine neuen Nebenwirkungen oder Symptome. Die Forschenden hielten ihre Erfassung allerdings selbst für möglicherweise zu unempfindlich. Sie nannten ausführlichere Fragebögen, Krankenakten und Leberfunktionstests als sinnvolle Ergänzungen künftiger Studien. Fehlende Berichte belegen deshalb weder umfassende noch langfristige Sicherheit.

Die Aussagekraft begrenzen vor allem die alternierende Zuteilung, die Ausgangsunterschiede, die kleine Gruppe aus einem einzigen Zentrum und die kurze Beobachtung. Das Fortschreiben letzter Messwerte kann den tatsächlichen weiteren Verlauf nicht abbilden. Zudem wurden zahlreiche Endpunkte untersucht. Der Bericht nennt eine Korrektur für mehrere Vergleiche in der Messwiederholungsanalyse, führt deren Einzelheiten aber nicht aus. Die Zahlendiskrepanz bei den Teilnehmenden und die uneinheitliche Ergebnisdarstellung erschweren die Einordnung zusätzlich.

Das Assaf Harofeh Medical Center finanzierte die Studie. Taam Teva spendete MSM und Placebo; laut Autorenerklärung hatte die Firma darüber hinaus keine Rolle. Die Autoren erklärten keine Interessenkonflikte und dankten Nira Koren-Morag für statistische Unterstützung.

Originalzugang: Originalartikel über DOI · Originalartikel als PDF.

Fazit

Die Studie liefert begrenzte Hinweise auf günstigere einzelne Fragebogenwerte unter MSM. Ein klarer, spürbarer Nutzen bei Kniearthrose ist damit nicht belegt. Die Schmerzbefunde waren uneinheitlich, mehrere bereinigte Tests nicht signifikant und wichtige methodische Grenzen bleiben bestehen. Die Untersuchung trägt keine persönliche Behandlungs- oder Einnahmeempfehlung und keine langfristige Sicherheitszusage.

Quellen

  1. Debbi et al. (2011). Efficacy of methylsulfonylmethane supplementation on osteoarthritis of the knee: a randomized controlled study. BMC Complementary and Alternative Medicine. DOI: 10.1186/1472-6882-11-50. PMID: 21708034.