Nährstoffreferenzwerte für Australien und Neuseeland: Thiamin

Die Referenzwerte für Australien und Neuseeland trennen den durchschnittlichen Thiaminbedarf von der höheren empfohlenen Zufuhr und benennen Datenlücken.

Wie die Werte abgeleitet wurden

Für Erwachsene stützt sich die institutionelle Bewertung auf metabolische Studien mit mehreren Endpunkten. Für Kinder und Jugendliche wurden die Werte überwiegend nach metabolischem Körpergewicht und Wachstum skaliert, weil direkte Bedarfsdaten knapp waren. Die RDI wurde aus dem EAR unter Annahme eines Variationskoeffizienten von zehn Prozent abgeleitet.

EAR und RDI beantworten unterschiedliche Fragen: Der EAR schätzt den mittleren Bedarf einer Bevölkerungsgruppe, während die höhere RDI den Bedarf fast aller gesunden Menschen dieser Gruppe abdecken soll. Beide sind populationsbezogene Planungswerte und keine persönlichen Dosierungsanweisungen.

Werte für Erwachsene

Für Männer ab 19 Jahren nennt die Quelle einen EAR von einem Milligramm Thiamin pro Tag und eine RDI von 1,2 mg pro Tag. Für erwachsene Frauen beträgt der EAR 0,9 mg pro Tag, die RDI dagegen 1,1 mg pro Tag. Die Werte 0,9 und 1,1 mg sind somit nicht zwei austauschbare Empfehlungen, sondern durchschnittlicher Bedarf und empfohlene Zufuhr für dieselbe Gruppe.

Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen werden mit Körpergröße und Energiebedarf begründet. Sie beschreiben Gruppenmittel und erlauben keine Ableitung eines individuellen Bedarfs.

Schwangerschaft und Stillzeit

Für Schwangere im Alter von 14 bis 50 Jahren beträgt der EAR 1,2 mg und die RDI 1,4 mg pro Tag. Die Ableitung rechnet mit ungefähr 30 Prozent Mehrbedarf für Wachstum und höheren Energieumsatz. Das ist eine Referenzwertmodellierung, keine direkte Dosisprüfung bei einzelnen Schwangeren.

Für Stillende von 14 bis 50 Jahren nennt die Quelle ebenfalls 1,2 mg EAR und 1,4 mg RDI pro Tag. Berücksichtigt werden die Thiaminabgabe über durchschnittlich 0,78 Liter Milch täglich und der Energieaufwand der Milchproduktion. Die Berechnung beruht damit auf durchschnittlicher Milchmenge und Milchkonzentration.

Warum kein UL festgelegt wurde

Wegen unzureichender Daten konnte kein tolerierbarer oberer Zufuhrwert (UL) geschätzt werden. Die Quelle nennt historische Berichte über Empfindlichkeitsreaktionen nach oraler Einnahme sowie Anaphylaxie- und Todesberichte nach unangemessener parenteraler Gabe. Orale und parenterale Exposition dürfen nicht gleichgesetzt werden; zugleich ist keine quantitative Häufigkeits- oder Dosis-Wirkungsabschätzung möglich.

Grenzen und Einordnung

Die Erwachsenenwerte beruhen auf metabolischer Evidenz, viele Werte für jüngere Gruppen dagegen auf Skalierung. Schwangerschafts- und Stillwerte verwenden Modellannahmen. Ein fehlender UL bedeutet, dass die Daten für eine Obergrenze nicht ausreichten, nicht dass beliebig hohe Mengen als sicher belegt wären. Einen Vergleich verschiedener Referenzwertsysteme bietet der Vitamin-B1-Hauptartikel.

Fazit

Die Quelle unterscheidet klar zwischen EAR und RDI: Für erwachsene Frauen sind das 0,9 und 1,1 mg pro Tag, für Männer ein und 1,2 mg. Andere Lebensphasen beruhen teilweise auf Modellen, und die Sicherheitsdaten reichen nicht für einen UL.

Quellen

  1. Australian Government / New Zealand Ministry of Health (o. J.). Nutrient Reference Values for Australia and New Zealand: Thiamin. Australian Government / New Zealand Ministry of Health.