Niedrig dosierte Thiaminsupplementierung stillender kambodschanischer Mütter verbessert die Thiaminkonzentration in der Muttermilch: eine randomisierte kontrollierte Studie
Die zusammengehörige Forschungslinie prüft, wie mütterliches Thiamin die Muttermilch und spätere kindliche Entwicklung beeinflusst.
Gemeinsames Studiendesign
Die randomisierte kontrollierte Studie schloss 335 stillende kambodschanische Mütter ein. Von der zweiten bis zur 24. Woche nach der Geburt erhielten sie täglich Placebo oder 1,2, 2,4 beziehungsweise 10 Milligramm Thiamin. Primär wurde untersucht, wie die Dosis die Thiaminkonzentration in der Muttermilch verändert. Blutmarker bei Müttern und Säuglingen wurden ergänzend erfasst.
Zwei direkt anschließende Auswertungen untersuchten die Kinderentwicklung. Eine Publikation berichtete Sprach-, Motorik- und visuelle Endpunkte bis Woche 52. Eine weitere analysierte Aufmerksamkeitsmaße und den Dosis-Wirkungs-Zusammenhang. Diese Quellen gehören in einen Artikel, weil sie dieselbe randomisierte Intervention und deren Nachbeobachtung auswerten.
Muttermilch und Blutmarker
In Woche 24 betrug die mittlere Thiaminkonzentration in der Muttermilch 183, 190 und 206 Mikrogramm pro Liter in den drei Supplementgruppen, verglichen mit 153 Mikrogramm pro Liter unter Placebo. Alle aktiven Gruppen lagen höher als Placebo; zwischen den aktiven Dosierungen waren die Unterschiede nicht eindeutig.
Das Dosis-Wirkungs-Modell schätzte 2,35 Milligramm täglich als Dosis für 90 % des maximal modellierten Effekts. Das Konfidenzintervall war mit 0,58 bis 7,01 Milligramm breit. Auch die Blutmarker von Müttern und Säuglingen lagen in den Supplementgruppen höher.
Entwicklungsendpunkte
In Woche 24 zeigte die höchste Dosis bessere Sprachwerte als Placebo. Für motorische und visuelle Endpunkte ergaben sich keine entsprechenden Vorteile. Nach dem Ende der Intervention lagen die Sprachwerte in Woche 52 gruppenübergreifend ungefähr eine Standardabweichung unter US-amerikanischen Normwerten; daraus lässt sich kein anhaltender spezifischer Supplementeffekt ableiten.
Die Aufmerksamkeitsanalyse fand einen statistischen Dosiszusammenhang, erklärte aber nur einen kleinen Anteil der Streuung. Das adjustierte Modell erreichte ein R-Quadrat von 0,022 bei einem p-Wert von 0,011; im robusten Gruppenvergleich hob sich vor allem die höchste Dosis ab. Diese Auswertung beruhte zudem nur auf einer Zusammenfassung und war nicht der primäre Studienendpunkt.
Grenzen
Die Forschungslinie ist für die untersuchte Population aussagekräftig, erlaubt aber keine allgemeine Dosierungsempfehlung. Das Modellintervall war breit, Entwicklungsendpunkte waren zahlreich, und Normvergleiche mit US-Kindern können kulturelle sowie sprachliche Unterschiede enthalten. Nach Woche 24 endete die Supplementierung, sodass spätere Befunde nicht als fortgesetzte Exposition gelten.
Fazit
Mütterliches Thiamin erhöhte in dieser Studie die Thiaminkonzentration der Muttermilch und mehrere Blutmarker. Hinweise bei Sprache und Aufmerksamkeit waren begrenzt und nicht durchgängig über Endpunkte und Zeitpunkte konsistent. Der Vitamin-B1-Hauptartikel ordnet die Forschungslinie ein.
Quellen
- Gallant et al (2021). Low-dose thiamine supplementation of lactating Cambodian mothers improves human milk thiamine concentrations: a randomized controlled trial. The American Journal of Clinical Nutrition. DOI: 10.1093/ajcn/nqab052. PMID: 33829271.
- Measelle et al (2021). Thiamine supplementation holds neurocognitive benefits for breastfed infants during the first year of life. Annals of the New York Academy of Sciences. DOI: 10.1111/nyas.14610. PMID: 34101212.
- Baldwin et al. (2025). Language processing in breastfed infants at risk of thiamine deficiency benefits from maternal thiamine supplementation. Developmental Psychology. DOI: 10.1037/dev0001829. PMID: 39699595.