Perinataler Verzehr thiaminangereicherter Fischsauce im ländlichen Kambodscha: eine randomisierte klinische Studie

Die randomisierte Studie prüfte thiaminangereicherte Fischsauce bei Schwangeren und Säuglingen in Kambodscha und erfasste biochemische Versorgungsmarker.

Studiendesign und Bedingungen

In Prey Veng, Kambodscha, wurden 90 schwangere Frauen doppelblind und zu gleichen Teilen auf drei Gruppen randomisiert. Je 30 Teilnehmerinnen erhielten für ihren Haushalt Fischsauce ohne zusätzliches Thiamin oder mit zwei beziehungsweise acht Gramm Thiamin je Liter. Die Sauce wurde nach Belieben verwendet. Die Intervention dauerte sechs Monate von der Schwangerschaft bis in die frühe Stillzeit, von Oktober 2014 bis April 2015.

Gemessen wurden das gegenüber dem Ausgangswert adjustierte Erythrozyten-Thiamindiphosphat (eTDP) der Mütter und Säuglinge sowie Gesamtthiamin in der Muttermilch. Die Säuglinge waren bei der Endmessung im Mittel 14 bis 17 Wochen alt. Damit untersuchte die Studie biochemische Versorgungsmarker, nicht Beriberi-Erkrankungen oder die allgemeine Kindesentwicklung.

Ergebnisse bei den Müttern

Nach sechs Monaten lag das adjustierte mittlere eTDP der Mütter bei 282 nmol/L in der Gruppe mit zwei Gramm Thiamin je Liter und 254 nmol/L in der Gruppe mit acht Gramm je Liter, verglichen mit 193 nmol/L in der Kontrollgruppe. Die beiden angereicherten Gruppen unterschieden sich nicht statistisch signifikant voneinander (P=0,19). Ein einfacher Dosisgradient zeigte sich somit nicht.

Ergebnisse bei Säuglingen und in der Muttermilch

Bei den Säuglingen lag das eTDP in der Gruppe mit acht Gramm Thiamin je Liter bei 257 nmol/L, in der Gruppe mit zwei Gramm je Liter bei 212 nmol/L und in der Kontrollgruppe bei 187 nmol/L. Dieser sekundäre Endpunkt zeigt einen anderen Gruppenverlauf als bei den Müttern.

Die mittlere Gesamtthiaminkonzentration der Muttermilch betrug 20,7 µg/dL in der Gruppe mit zwei Gramm Thiamin je Liter, 17,7 µg/dL in der Gruppe mit acht Gramm je Liter und 14,4 µg/dL in der Kontrolle. Auch hier war die höhere Anreicherung nicht mit dem höchsten Messwert verbunden.

Grenzen und Einordnung

Die Gruppen waren mit je 30 Teilnehmerinnen klein. Je nach Gruppe lag das Endline-eTDP nur für 77 bis 97 Prozent der Frauen vor. Die Studie prüfte Biomarker, nicht die Häufigkeit klinischer Beriberi-Fälle oder Entwicklungsendpunkte. Der fehlende einheitliche Dosisgradient und die spezifische ländliche, mangelgefährdete Population begrenzen eine allgemeine Übertragung. Eine stoffweite Einordnung bietet der Vitamin-B1-Hauptartikel.

Fazit

Thiaminangereicherte Fischsauce erhöhte in dieser Studie mehrere biochemische Marker gegenüber der Kontrollsauce. Die genaue Zuordnung der Gruppenwerte zeigt jedoch, dass acht Gramm Thiamin je Liter nicht durchgehend besser abschnitten als zwei Gramm je Liter. Ob die Biomarkerunterschiede einen klinischen Nutzen bewirken, wurde nicht untersucht.

Quellen

  1. Whitfield et al (2016). Perinatal Consumption of Thiamine-Fortified Fish Sauce in Rural Cambodia: A Randomized Clinical Trial. JAMA Pediatrics. DOI: 10.1001/jamapediatrics.2016.2065. PMID: 27532780.