CoQ10 vor IVF/ICSI bei verminderter ovarieller Reserve: weiblicher ART-Kontext

Systematischer Review und Meta-Analyse aus dem Jahr 2024. 6 randomisierte kontrollierte Studien mit 1.529 Frauen mit verminderter ovarieller Reserve.

Studienartikel: Lin et al. (2024) zu CoQ10 vor IVF/ICSI bei verminderter ovarieller Reserve

Kurzprofil

FeldInhalt
Primäre QuelleLin et al. (2024). Clinical evidence of coenzyme Q10 pretreatment for women with diminished ovarian reserve undergoing IVF/ICSI: a systematic review and meta-analysis.
QuellenartSystematischer Review und Meta-Analyse randomisierter kontrollierter Studien
WirkstoffCoenzym Q10, kurz CoQ10
Land/KontextInternationale Literaturauswertung mit Autorengruppe aus China; alle eingeschlossenen RCTs wurden in China durchgeführt
Datenbasis6 randomisierte kontrollierte Studien mit 1.529 Frauen mit verminderter ovarieller Reserve vor IVF oder ICSI
PopulationFrauen mit verminderter ovarieller Reserve und geplanter assistierter Reproduktion über IVF/ICSI
Zentrale EndpunkteKlinische Schwangerschaftsrate, Zahl guter Embryonen, Zyklusabbrüche, Fehlgeburten, gewonnene Eizellen, Estradiol am hCG-Tag, Endometriumdicke und Gonadotropinverbrauch
Originalquellehttps://doi.org/10.1080/07853890.2024.2389469
DOI / PMID / PMCIDDOI: 10.1080/07853890.2024.2389469; PMID: 39129455; PMCID: PMC11321116
VolltextstatusFrei zugänglicher PMC-Volltext und PDF verfügbar

Lin et al. fassten randomisierte Studien zusammen, in denen CoQ10 vor einer IVF- oder ICSI-Behandlung bei Frauen mit verminderter ovarieller Reserve untersucht wurde. Die Arbeit fand mehrere positive Signale bei Labor- und Behandlungsendpunkten. Die Aussage bleibt jedoch eng auf diesen medizinischen ART-Kontext begrenzt, weil die eingeschlossenen Studien klein bis mittelgroß waren, alle aus China stammten und methodische Schwächen hatten.

Fragestellung

Eine verminderte ovarielle Reserve bedeutet, dass Anzahl oder Qualität der verfügbaren Eizellen eingeschränkt sein können. In IVF- und ICSI-Zyklen ist dieser Befund mit einer schwierigeren ovariellen Antwort verbunden. Die Autorengruppe untersuchte deshalb, ob eine CoQ10-Vorbehandlung vor der kontrollierten ovariellen Stimulation die Ergebnisse bei Frauen mit verminderter ovarieller Reserve verbessern könnte.

Die Forschungsfrage war eng formuliert: Es ging nicht um allgemeine Fruchtbarkeit, nicht um natürliche Empfängnis und nicht um eine Empfehlung für Kinderwunschbehandlungen. Bewertet wurden ausschließlich randomisierte kontrollierte Studien bei Frauen mit verminderter ovarieller Reserve, die eine IVF- oder ICSI-Behandlung erhielten.

Studiendesign und Methoden

Die Quelle ist ein systematischer Review mit Meta-Analyse. Die Autorengruppe registrierte die Arbeit unter PROSPERO CRD42023468370 und orientierte sich an PRISMA. Gesucht wurde in neun Datenbanken von Datenbankbeginn bis zum 1. November 2023: Scopus, PubMed, Cochrane Library, Web of Science, Sinomed, EBSCO, Wanfang, VIP Information und CNKI. Zusätzlich wurden Referenzlisten geprüft.

Eingeschlossen wurden randomisierte kontrollierte Studien in englischer oder chinesischer Sprache. Die eingeschlossenen Frauen mussten eine verminderte ovarielle Reserve aufweisen, definiert über Kriterien wie AFC < 5 bis 7, FSH ≥ 10 IU/L oder AMH < 1,1 ng/mL. Außerdem mussten sie IVF oder ICSI durchlaufen und reproduktionsmedizinische Endpunkte mit ausreichenden Daten berichten.

Die statistische Auswertung erfolgte mit RevMan 5.3. Dichotome Endpunkte wurden als Odds Ratios mit 95-%-Konfidenzintervallen ausgewertet. Kontinuierliche Endpunkte wurden als mittlere Differenzen oder standardisierte mittlere Differenzen berechnet. Heterogenität wurde mit I² bewertet. Wenn I² nicht 0 % betrug, nutzte die Arbeit ein Random-Effects-Modell; bei I² = 0 % wurde ein Fixed-Effect-Modell eingesetzt. Sensitivitätsanalysen prüften, ob einzelne Studien die gepoolten Ergebnisse stark beeinflussten.

Untersuchte Personen oder Datenbasis

Die Meta-Analyse umfasste 6 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 1.529 Frauen. Davon wurden 761 der CoQ10-Vorbehandlung und 768 einer Kontrollbedingung zugeteilt. Die Studien wurden zwischen 2017 und 2023 veröffentlicht; alle fanden in China statt. Die einzelnen Studiengrößen reichten von 50 bis 900 Teilnehmerinnen.

Die Studien unterschieden sich in der Begleitbehandlung. Zwei Studien verglichen CoQ10 plus DHEA mit DHEA allein. Eine Studie verglich CoQ10 plus Femoston mit Femoston allein. Zwei Studien verglichen CoQ10 plus Vitamin E mit Vitamin E allein. Eine Studie untersuchte CoQ10 allein gegenüber keiner Vorbehandlung. Fünf Studien setzten die Vorbehandlung über drei Monate ein; eine Studie verwendete CoQ10 über 60 Tage. Diese Zeiträume und Mengen sind Studienmerkmale und keine Anleitung zur Anwendung.

Die ovariellen Stimulationsprotokolle unterschieden sich ebenfalls. Genannt wurden GnRH-Antagonisten-Protokolle und PPOS-Protokolle, also progestin-primed ovarian stimulation. Dadurch bündelt die Meta-Analyse Studien mit ähnlicher Zielpopulation, aber nicht mit einem völlig einheitlichen Behandlungsablauf.

Intervention, Exposition und Vergleich

Die Intervention war eine CoQ10-Vorbehandlung vor der ovariellen Stimulation. In mehreren Studien wurde CoQ10 zusätzlich zu DHEA, Vitamin E oder Femoston geprüft. Die Kontrollgruppen erhielten dieselbe jeweilige Begleitbehandlung ohne CoQ10 oder, in einer Studie, keine Vorbehandlung.

Die drei primären Endpunkte waren klinische Schwangerschaftsrate, Zahl guter Embryonen und Zyklusabbruchsrate. Sekundäre Endpunkte waren Fehlgeburten, Zahl gewonnener Eizellen, Estradiolspiegel am Tag der hCG-Gabe, Endometriumdicke am hCG-Tag, Gesamtzahl der Gonadotropin-Tage und gesamte Gonadotropin-Menge.

Ergebnisse

Für die klinische Schwangerschaftsrate zeigte die Meta-Analyse ein statistisch signifikantes Signal zugunsten der CoQ10-Vorbehandlung. Der gepoolte Schätzer lag bei OR = 1,84 mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,33 bis 2,53; p = 0,0002; I² = 29 %. Dieser Endpunkt beruhte auf 1.447 Teilnehmerinnen.

Die Zahl guter Embryonen war in der CoQ10-Gruppe ebenfalls höher. Nach einer Sensitivitätsanalyse berichtete die Arbeit eine mittlere Differenz von 0,59 mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,21 bis 0,96; p = 0,002; I² = 64 %. Dieser Endpunkt beruhte auf 266 Teilnehmerinnen. Die verbleibende Heterogenität war moderat bis erhöht.

Die Zyklusabbruchsrate war niedriger. Vier Studien mit 1.393 Teilnehmerinnen ergaben OR = 0,60; 95-%-KI 0,44 bis 0,83; p = 0,002; I² = 0 %. Für Fehlgeburten berichteten drei Studien mit 145 Teilnehmerinnen ebenfalls ein niedrigeres gepooltes Risiko: OR = 0,38; 95-%-KI 0,15 bis 0,98; p = 0,05; I² = 0 %. Gerade der Fehlgeburtsendpunkt ist wegen der kleinen Datenbasis vorsichtig zu lesen.

Bei den ovariellen Antwortmarkern zeigte sich ein höherer Wert für gewonnene Eizellen. Nach Ausschluss einer Studie in der Sensitivitätsanalyse lag die mittlere Differenz bei 1,30 Eizellen; 95-%-KI 1,21 bis 1,40; p < 0,00001; I² = 0 %. Der Estradiolspiegel am hCG-Tag war ebenfalls höher: SMD = 0,37; 95-%-KI 0,07 bis 0,66; p = 0,01; I² = 0 %. Für die Endometriumdicke zeigte sich dagegen kein statistisch eindeutiger Unterschied: SMD = 0,53; 95-%-KI -0,23 bis 1,29; p = 0,17; I² = 91 %.

Auch der Gonadotropinverbrauch war in den gepoolten Ergebnissen niedriger. Die Gesamtzahl der Gonadotropin-Tage war um 0,89 Tage niedriger; 95-%-KI -1,37 bis -0,41; p = 0,0003; I² = 47 %. Die gesamte Gonadotropin-Menge war um 330,44 Einheiten niedriger; 95-%-KI -373,93 bis -286,96; p < 0,00001; I² = 28 %. Diese Angaben beschreiben den Studienkontext innerhalb kontrollierter IVF-/ICSI-Protokolle.

Nebenwirkungen und Sicherheit

Die Arbeit erfasste reproduktionsmedizinische Ergebnisgrößen, aber keine breite Sicherheitsbewertung von CoQ10. Die Fehlgeburtsrate und die Zyklusabbruchsrate wurden als Studienendpunkte ausgewertet. Daraus lässt sich jedoch keine umfassende Aussage zu unerwünschten Ereignissen, seltenen Risiken, langfristiger Einnahme, Schwangerschaftsverlauf außerhalb des IVF-/ICSI-Kontexts oder Stillzeit ableiten.

Die Studie liefert auch keine eigenständige Sicherheitsbewertung für gesunde Frauen ohne Kinderwunschbehandlung, für Männer, für Personen mit Vorerkrankungen oder für Arzneimittelwechselwirkungen. Solche Fragen müssen über separate Sicherheits- und Behördenquellen geprüft werden.

Grenzen der Aussagekraft

Die wichtigste Grenze liegt in der Studienbasis. Es wurden nur sechs RCTs eingeschlossen. Alle kamen aus China, obwohl die Suche international angelegt war. Dadurch ist unklar, wie gut die Ergebnisse auf andere reproduktionsmedizinische Versorgungssysteme, andere Patientinnenkollektive oder andere Stimulationsprotokolle übertragbar sind.

Eine zweite Grenze betrifft die Übertragbarkeit der Intervention. Mehrere Studien prüften den Zusatz von CoQ10 zu DHEA, Vitamin E oder Femoston gegenüber derselben Begleitbehandlung ohne CoQ10. Diese Vergleiche untersuchen den zusätzlichen Beitrag von CoQ10 im jeweiligen Behandlungskontext; sie belegen nicht ohne Weiteres denselben Effekt von CoQ10 allein.

Eine dritte Grenze betrifft die Methodik. Fünf Studien berichteten die Randomisierung klar, eine Studie blieb hier unklar. Keine eingeschlossene Studie berichtete eine ausreichende verdeckte Zuteilung. Alle sechs Studien wurden wegen fehlender oder unzureichender Verblindung als hoch verzerrungsgefährdet eingestuft. Außerdem konnten Publikationsbias-Tests wegen weniger als zehn Studien nicht sinnvoll durchgeführt werden.

Weitere Grenzen betreffen die Endpunkte. Einige Ergebnisse beruhten auf wenigen Studien und kleinen Teilnehmerzahlen. Für Endometriumdicke war die Heterogenität sehr hoch und der gepoolte Effekt nicht signifikant. Einige im Protokoll vorgesehene Endpunkte, darunter vorzeitiger LH-Anstieg und Embryoimplantationsrate, konnten wegen fehlender Daten nicht systematisch ausgewertet werden.

Was die Studie zeigt

Die Meta-Analyse zeigt, dass CoQ10-Vorbehandlung in den eingeschlossenen RCTs bei Frauen mit verminderter ovarieller Reserve vor IVF/ICSI mit besseren Werten für mehrere ART-Endpunkte verbunden war. Dazu gehörten klinische Schwangerschaftsrate, Zahl guter Embryonen, Zahl gewonnener Eizellen, Estradiol am hCG-Tag sowie ein niedrigerer Zyklusabbruch und ein niedrigerer Gonadotropinverbrauch.

Die Arbeit zeigt außerdem, dass nicht alle Endpunkte gleich belastbar sind. Der Endometriumdicken-Endpunkt war nicht eindeutig, einige Ergebnisse hatten Heterogenität, und die methodische Qualität der eingeschlossenen Studien begrenzt die Sicherheit der Schlussfolgerung.

Was die Studie nicht zeigt

Die Quelle zeigt keine allgemeine Fruchtbarkeitsaussage für Frauen ohne verminderte ovarielle Reserve. Sie zeigt auch keine Aussage zur natürlichen Empfängnis, zu Männern mit Infertilität, zu Schwangerschaftsverlauf außerhalb des untersuchten ART-Kontexts, zu Stillzeit oder zu allgemeiner reproduktiver Gesundheit.

Die Arbeit liefert keine persönliche Einnahme-, Therapie-, Diagnose-, Produkt- oder Kaufempfehlung. Die beschriebenen Vorbehandlungszeiträume und CoQ10-Kombinationen sind Merkmale der eingeschlossenen Studien und dürfen nicht als allgemeine Dosierungsregel verstanden werden.

Eingeschlossene Einzelstudien

  • Xu et al. (2018). Pretreatment with coenzyme Q10 improves ovarian response and embryo quality in low-prognosis young women with decreased ovarian reserve: a randomized controlled trial. DOI: 10.1186/s12958-018-0343-0.
  • Zou et al. (2017). Effect of co-enzyme Q10 combined with vitamin E on ovary reserve and IVF outcome in women with advanced age. DOI: 10.3969/j.issn.1004-3845.2017.10.014.
  • Liang (2019). Coenzyme Q10 in combination with femoston for patients with diminished ovarian reserve undergoing IVF-ET. DOI: 10.3969/j.issn.1004-437X.2019.16.046.
  • Tang et al. (2022). The value of dehydroepiandrosterone combined with coenzyme Q10 for infertile patients with diminished ovarian reserve undergoing IVF-ET. DOI: 10.3969/j.issn.1671-7171.2022.08.037.
  • Xu et al. (2023). Effects of coenzyme Q10 for advanced age patients with diminished ovarian reserve undergoing IVF-ET. DOI: 10.16458/j.cnki.1007-0893.2023.01.033.
  • Xia et al. (2023). Effect of coenzyme Q10 combined with dehydroepiandrosterone on ovarian function and in vitro artificial fertilization in infertile women with hypoovarian reserve. DOI: 10.19829/j.zgfybj.issn.1001-4411.2023.11.021.

Kompakte Faktenzusammenfassung

  • Lin et al. veröffentlichten 2024 einen systematischen Review mit Meta-Analyse zu CoQ10 vor IVF/ICSI bei Frauen mit verminderter ovarieller Reserve.
  • Die Arbeit suchte in neun Datenbanken bis zum 1. November 2023 und schloss nur randomisierte kontrollierte Studien ein.
  • Eingeschlossen wurden 6 RCTs mit 1.529 Frauen; alle Studien wurden in China durchgeführt.
  • Die CoQ10-Vorbehandlung wurde teils allein, teils zusammen mit DHEA, Vitamin E oder Femoston geprüft.
  • Klinische Schwangerschaftsrate, Zahl guter Embryonen, Zahl gewonnener Eizellen, Estradiol am hCG-Tag und Gonadotropinverbrauch zeigten statistisch signifikante Signale zugunsten der CoQ10-Gruppen.
  • Die Zyklusabbruchsrate war niedriger; die Fehlgeburtsrate war in drei Studien ebenfalls niedriger, aber die Datenbasis dafür war klein.
  • Für die Endometriumdicke zeigte sich kein statistisch eindeutiger Unterschied und die Heterogenität war sehr hoch.
  • Alle sechs Studien hatten ein hohes Verzerrungsrisiko im Bereich Verblindung; Angaben zur verdeckten Zuteilung fehlten.
  • Die Quelle bleibt auf Frauen mit verminderter ovarieller Reserve in IVF-/ICSI-Behandlung begrenzt.
  • Die Quelle liefert keine Kinderwunsch-, Therapie-, Diagnose-, Produkt-, Kauf- oder persönliche Dosierungsempfehlung.

Quellen

  1. Originalquelle
  2. PubMed
  3. PMC