CoQ10 zur Migräneprophylaxe bei Erwachsenen: Meta-Analyse

Systematischer Review und Meta-Analyse aus dem Jahr 2021. 6 randomisierte kontrollierte Studien mit 371 erwachsenen Teilnehmenden.

Studienartikel: Sazali et al. (2021) zu CoQ10 bei Migräne

Kurzprofil

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Primäre QuelleSazali et al. (2021). Coenzyme Q10 supplementation for prophylaxis in adult patients with migraine-a meta-analysis.
QuellenartSystematischer Review und Meta-Analyse randomisierter kontrollierter Studien
WirkstoffCoenzym Q10, kurz CoQ10
Land/KontextInternationale Literaturauswertung; Autorengruppe aus Malaysia; Veröffentlichung in BMJ Open
Datenbasis6 randomisierte kontrollierte Studien mit 371 erwachsenen Teilnehmenden
PopulationErwachsene mit Migräne; in allen eingeschlossenen Studien überwiegend Frauen
Zentrale EndpunkteSchweregrad der Kopfschmerzen, Dauer der Kopfschmerzattacken, Häufigkeit von Migräneattacken, ausgewählte Zusatzendpunkte und unerwünschte Ereignisse
Originalquellehttps://doi.org/10.1136/bmjopen-2020-039358
DOI / PMID / PMCIDDOI: 10.1136/bmjopen-2020-039358; PMID: 33402403; PMCID: PMC7786797
VolltextstatusFrei zugänglicher PMC-Volltext und PDF verfügbar

Sazali et al. fassten randomisierte Studien zusammen, in denen CoQ10 bei erwachsenen Menschen mit Migräne untersucht wurde. Die Meta-Analyse fand ein Signal für weniger Migräneattacken pro Monat und eine geringere Attackendauer. Für den Schweregrad der Kopfschmerzen war das zusammengefasste Ergebnis dagegen statistisch nicht eindeutig.

Fragestellung

Migräne ist eine wiederkehrende neurologische Erkrankung mit Kopfschmerzattacken, die häufig von Übelkeit sowie Licht- oder Geräuschempfindlichkeit begleitet werden. In der Forschung zu Migräneprävention wurden auch Nährstoff- und mitochondriale Ansätze untersucht. CoQ10 ist an der Energiegewinnung in Mitochondrien beteiligt und wirkt in biologischen Systemen antioxidativ. Daraus ergibt sich eine plausible Forschungsfrage, aber noch keine klinische Schlussfolgerung.

Die Übersichtsarbeit fragte, ob CoQ10 in randomisierten Studien bei Erwachsenen mit Migräne drei Kernpunkte verändert: die Schwere der Attacken, die Häufigkeit der Attacken und die Dauer der Kopfschmerzen. Die Arbeit sollte damit nicht Migräne diagnostizieren oder Behandlungsentscheidungen ersetzen, sondern die damals vorhandenen kontrollierten Studien zusammenfassen.

Studiendesign und Methoden

Die Quelle ist ein systematischer Review mit Meta-Analyse. Die Autorengruppe suchte in CENTRAL, MEDLINE, EMBASE, CINAHL und PsycINFO von Datenbankbeginn bis Dezember 2019. Zusätzlich wurden Referenzlisten, Expertinnen und Experten, Herstellerkontakte sowie Studienregister geprüft. Eingeschlossen wurden randomisierte kontrollierte Studien, in denen CoQ10 mit Placebo verglichen wurde oder als Zusatzbehandlung gegen eine Kontrollbedingung untersucht wurde. Cross-over-Designs und nicht randomisierte kontrollierte klinische Studien wurden ausgeschlossen.

Die Auswertung nutzte Random-Effects-Modelle. Für kontinuierliche Endpunkte wurden mittlere Differenzen mit 95-%-Konfidenzintervallen berechnet. Die Heterogenität wurde unter anderem mit I² bewertet. Außerdem prüfte die Autorengruppe Untergruppen nach CoQ10-Menge und Kombination mit anderen Supplementen. Die Studienqualität wurde mit Cochrane-Risk-of-Bias-Methoden und GRADE eingeordnet.

Untersuchte Personen oder Datenbasis

Die Meta-Analyse umfasste sechs randomisierte kontrollierte Studien mit zusammen 371 erwachsenen Teilnehmenden. Alle eingeschlossenen Studien hatten kleine Stichproben. Die einzelnen Studiengrößen lagen zwischen 42 und 112 Personen. Die mittleren Alterswerte lagen ungefähr im frühen bis späten Erwachsenenalter, in der Tabelle der Originalarbeit etwa zwischen 32 und 39 Jahren. Der Frauenanteil war in allen Studien hoch.

Die Nachbeobachtung betrug mindestens sechs Wochen. Eine Studie lief acht Wochen, fünf Studien liefen drei Monate. Die eingeschlossenen Arbeiten verwendeten unterschiedliche CoQ10-Ansätze: CoQ10 allein, CoQ10 als Zusatz zu bestehenden vorbeugenden Arzneimitteln, CoQ10 zusammen mit L-Carnitin oder CoQ10 in einer Kombination mit mehreren Mikronährstoffen. Die maximale CoQ10-Menge in den Studienprotokollen reichte von 30 mg bis 800 mg pro Tag. Diese Mengen sind Merkmale der eingeschlossenen Studien und keine Einnahmeanweisung.

Intervention, Exposition und Vergleich

Die Intervention war oral eingesetztes CoQ10, entweder allein oder in Kombination mit anderen Bestandteilen. Die Vergleichsbedingungen waren Placebo oder Placebo plus bestehende vorbeugende Medikation. Die Studien unterschieden sich dadurch, ob CoQ10 als alleinige Intervention, als Kombinationsbestandteil oder als Zusatz zu einer bestehenden Vorbeugung untersucht wurde.

Die wichtigsten Zielgrößen waren die Schwere der Kopfschmerzattacken auf visuellen Analogskalen, die Dauer von Kopfschmerzattacken in Stunden pro Monat und die Häufigkeit von Migräneattacken pro Monat. Zusätzlich wurden in einzelnen Studien Übelkeitstage, Bedarf an akuter Migränemedikation, Lebensqualitätsfragebögen und unerwünschte Ereignisse berichtet.

Ergebnisse

Für den Schweregrad der Kopfschmerzen berichtete die Meta-Analyse keinen statistisch signifikanten Unterschied zugunsten von CoQ10. Das gepoolte Ergebnis lag bei einer mittleren Differenz von -1,33 Punkten, das 95-%-Konfidenzintervall reichte aber von -2,97 bis 0,31. Die Heterogenität war mit I² = 99 % sehr hoch. Auch die Untergruppen nach mehr oder weniger als 400 mg CoQ10 pro Tag zeigten keine klare signifikante Verringerung des Schweregrads.

Für die Dauer der Kopfschmerzattacken ergab sich ein kleiner, aber statistisch signifikanter Unterschied. Die Dauer lag unter CoQ10 im gepoolten Ergebnis um 0,19 Stunden pro Monat niedriger als in der Kontrollgruppe. Das 95-%-Konfidenzintervall lag zwischen -0,27 und -0,11 Stunden, I² betrug 0 %, p < 0,00001. Die Autorengruppe stufte die Sicherheit dieser Aussage nach GRADE als moderat ein.

Für die Häufigkeit von Migräneattacken pro Monat ergab sich ebenfalls ein statistisch signifikanter Unterschied. In fünf Studien mit 259 Teilnehmenden lag die Häufigkeit unter CoQ10 um 1,52 Attacken pro Monat niedriger als in der Kontrollgruppe. Das 95-%-Konfidenzintervall lag zwischen -2,40 und -0,65, I² betrug 0 %, p < 0,001. Auch diese Aussage wurde nach GRADE als moderat eingestuft.

Einzelne Zusatzendpunkte waren schmaler belegt. Eine Studie berichtete weniger Tage mit Übelkeit im Zusammenhang mit Migräne. Für die Nutzung akuter Migränemedikation zeigte dieselbe Studie keinen klaren Unterschied. Eine weitere Studie berichtete Fragebögen zur Lebensqualität und Migränebelastung; diese Ergebnisse stammten aber nur aus einer Studie und tragen daher weniger als die gepoolten Hauptendpunkte.

Nebenwirkungen und Sicherheit

Die Sicherheitsdaten waren begrenzt. Nur eine der eingeschlossenen Studien berichtete unerwünschte Ereignisse in einer für die Meta-Analyse nutzbaren Form. Genannt wurden Durchfall und Chromaturie, also eine Verfärbung des Urins. Die Originalarbeit beschreibt diese Berichte als begrenzt und als kleinere Nebenwirkungen. Belastbare Aussagen zu seltenen, schweren oder langfristigen unerwünschten Ereignissen lassen sich daraus nicht ableiten.

Die Arbeit liefert auch keine Sicherheitsbewertung für Schwangerschaft, Stillzeit, Kinder, ältere Menschen, besondere Vorerkrankungen, Arzneimittelwechselwirkungen oder Produktqualität. Für solche Fragen sind andere Sicherheits- und Behördenquellen nötig.

Grenzen der Aussagekraft

Die wichtigste Grenze ist die geringe Größe der Datenbasis. Sechs Studien mit 371 Teilnehmenden reichen für ein erstes zusammenfassendes Bild, aber nicht für eine robuste Aussage über alle Migränegruppen. Die einzelnen Studien waren klein, verwendeten unterschiedliche CoQ10-Mengen und kombinierten CoQ10 teilweise mit anderen Bestandteilen oder bestehender Medikation.

Eine zweite Grenze betrifft den Schweregrad der Kopfschmerzen. Dieser Endpunkt zeigte sehr hohe statistische Heterogenität und kein signifikantes gepooltes Ergebnis. Daher darf die Meta-Analyse nicht so gelesen werden, als ob CoQ10 den Schmerzschweregrad verlässlich senkt.

Eine dritte Grenze betrifft die Übertragbarkeit. Die Quelle untersuchte Migräne bei Erwachsenen. Sie erlaubt keine Aussage zu Parkinson, allgemeiner Neuroprotektion, genetischer CoQ10-Defizienz oder anderen neurologischen Erkrankungen. Sie ersetzt außerdem keine Diagnose- oder Therapieentscheidung bei Migräne.

Was die Studie zeigt

Die Meta-Analyse zeigt, dass CoQ10 in den eingeschlossenen RCTs mit einer geringeren Dauer von Kopfschmerzattacken und einer geringeren Attackenhäufigkeit pro Monat verbunden war. Beide zusammengefassten Ergebnisse hatten geringe statistische Heterogenität und wurden nach GRADE als moderat eingestuft.

Die Arbeit zeigt außerdem, dass das Signal nicht alle Migräneendpunkte gleich betrifft. Der Schweregrad der Kopfschmerzen war im gepoolten Ergebnis nicht eindeutig verringert.

Was die Studie nicht zeigt

Die Arbeit zeigt keine persönliche Einnahmeempfehlung, keine Therapieempfehlung und keine Diagnosehilfe. Die im Review genannten Studienmengen sind Protokollmerkmale der eingeschlossenen Studien und dürfen nicht als allgemeine Dosierungsregel verstanden werden.

Die Quelle zeigt auch nicht, dass CoQ10 bei Parkinson, allgemeiner Neuroprotektion, Sportleistung, Herzinsuffizienz, Stoffwechselmarkern oder anderen Q10-Kontexten wirkt. Der Aussagebereich bleibt auf die geprüften Migräneendpunkte bei Erwachsenen begrenzt.

Eingeschlossene Einzelstudien

  • Sándor et al. (2005). Efficacy of coenzyme Q10 in migraine prophylaxis: a randomized controlled trial. DOI: 10.1212/01.WNL.0000151975.03598.ED.
  • Nattagh-Eshtivani et al. (2018). The effect of coenzyme Q10 supplementation on serum levels of lactate, pyruvate, matrix metalloproteinase 9 and nitric oxide in women with migraine. A double blind, placebo, controlled randomized clinical trial. DOI: 10.1016/j.eujim.2018.06.009.
  • Dahri et al. (2017). Efficacy of coenzyme Q10 for the prevention of migraine in women: a randomized, double-blind, placebo-controlled study. DOI: 10.1016/j.eujim.2017.10.003.
  • Hajihashemi et al. (2019). The effects of concurrent coenzyme Q10, L-carnitine supplementation in migraine prophylaxis: a randomized, placebo-controlled, double-blind trial. DOI: 10.1177/0333102418821661.
  • Gaul et al. (2015). Improvement of migraine symptoms with a proprietary supplement containing riboflavin, magnesium and Q10: a randomized, placebo-controlled, double-blind, multicenter trial. DOI: 10.1186/s10194-015-0516-6.
  • Dahri et al. (2019). Oral coenzyme Q10 supplementation in patients with migraine: effects on clinical features and inflammatory markers. DOI: 10.1080/1028415X.2017.1421039.

Parohan et al. (2020) ist ein älterer systematischer Review mit Dosis-Wirkungs-Meta-Analyse zu ähnlichen Migräneendpunkten. Er wird durch Sazali et al. nicht als Einzelstudie eingeschlossen, sondern dient als methodischer Vergleich für diesen Themenbereich.

Kompakte Faktenzusammenfassung

  • Sazali et al. veröffentlichten 2021 einen systematischen Review mit Meta-Analyse zu CoQ10 bei erwachsenen Menschen mit Migräne.
  • Gesucht wurde in CENTRAL, MEDLINE, EMBASE, CINAHL und PsycINFO bis Dezember 2019.
  • Eingeschlossen wurden 6 randomisierte kontrollierte Studien mit 371 Teilnehmenden.
  • Die Studien untersuchten CoQ10 allein, CoQ10 als Zusatz zu bestehender Vorbeugung oder CoQ10 in Kombinationen mit anderen Bestandteilen.
  • Die maximale CoQ10-Menge in den Studienprotokollen reichte von 30 mg bis 800 mg pro Tag; diese Angabe ist keine Einnahmeanweisung.
  • Der Schweregrad der Kopfschmerzen war nicht signifikant verringert (MD -1,33; 95-%-KI -2,97 bis 0,31; I² = 99 %).
  • Die Dauer der Kopfschmerzattacken war geringer (MD -0,19 Stunden pro Monat; 95-%-KI -0,27 bis -0,11; I² = 0 %).
  • Die Häufigkeit von Migräneattacken war geringer (MD -1,52 Attacken pro Monat; 95-%-KI -2,40 bis -0,65; I² = 0 %).
  • Nach GRADE war die Aussage zur Dauer und Häufigkeit moderat, die Aussage zum Schweregrad niedrig.
  • Unerwünschte Ereignisse waren nur begrenzt berichtet; eine Studie nannte Durchfall und Chromaturie.
  • Die Quelle erlaubt keine Übertragung auf Parkinson, allgemeine Neuroprotektion oder andere Q10-Endpunkte.
  • Die Quelle liefert keine persönliche Einnahme-, Therapie-, Diagnose-, Produkt- oder Kaufempfehlung.

Quellen

  1. Originalquelle
  2. PubMed
  3. PMC