Coenzym Q10: Warum Mitochondrien, Herz und Zellschutz davon abhängen
Deutscher Q10-Magazinartikel mit Einordnung als körpereigene, vitaminähnliche Verbindung, ohne klassischen DGE-Bedarf, mit Abschnitten zu Mitochondrien, Ubiquinon/Ubiquinol, Bioverfügbarkeit, Sicherheit, Herzinsuffizienz, Statin-Muskelkontext, Migräne, Sport, Fertilität, IVF und Parkinson.
Coenzym Q10 ist eine körpereigene, vitaminähnliche Verbindung. Der Körper bildet sie selbst und nutzt sie vor allem dort, wo Zellen viel Energie brauchen. Besonders bekannt ist Q10 aus den Mitochondrien, den kleinen Kraftwerken der Zelle.
Q10 ist kein klassisches Vitamin und kein Nährstoff mit DGE-Bedarf. Es steht eher zwischen körpereigener Substanz, Lebensmittelbestandteil und Supplement-Thema. Genau deshalb ist die Trennung wichtig: Biologie, Blutspiegel, besondere Krankheitsstudien und Produktformen sagen nicht automatisch dasselbe aus.
Auf einen Blick
- Q10 ist eine körpereigene, vitaminähnliche Verbindung und kein klassisches Vitamin. Gesunde Menschen können Q10 selbst bilden.
- In den Mitochondrien hilft Q10 bei der Energiegewinnung. Außerdem kann es in seiner reduzierten Form Ubiquinol an antioxidativen Schutzsystemen beteiligt sein.
- Es gibt keinen DGE-Referenzwert und keinen allgemein anerkannten oberen Grenzwert für Q10. Behörden bewerten deshalb Sicherheit, Warnhinweise und Studienmengen getrennt.
- Ubiquinon, Ubiquinol und spezielle Formulierungen können sich in der Aufnahme unterscheiden. Höhere Blutwerte bedeuten aber nicht automatisch bessere Wirkung.
- Studien zeigen je nach Thema unterschiedliche Signale: stärker bei Herzinsuffizienz, Migräne und einzelnen Markern; vorsichtiger bei Sportleistung, Statin-Muskelbeschwerden, Fertilität, IVF und Parkinson.
Was ist Q10?
Q10 ist eine fettlösliche Verbindung, die in fast allen Körperzellen vorkommt. Der Name "Coenzym" bedeutet: Q10 hilft Enzymen bei ihrer Arbeit. Enzyme sind Eiweiße, die chemische Vorgänge im Körper beschleunigen.
Die wichtigste Rolle liegt in der Atmungskette. Das ist eine Kette von Reaktionen in den Mitochondrien, mit der Zellen aus Nährstoffen nutzbare Energie bilden. Diese Energie wird als ATP gespeichert. ATP ist die direkte Energiewährung der Zelle.
Q10 gibt es in zwei eng verwandten Formen. Ubiquinon ist die oxidierte Form. Ubiquinol ist die reduzierte Form. "Oxidiert" und "reduziert" beschreibt, ob ein Molekül Elektronen aufgenommen oder abgegeben hat. Im Körper können beide Formen ineinander übergehen.
Wo steckt Q10 drin?
Q10 kommt aus zwei Richtungen: Der Körper bildet es selbst, und kleine Mengen kommen mit Lebensmitteln. Supplemente liefern Q10 in konzentrierter Form, meistens als Ubiquinon, Ubiquinol oder spezielle Formulierung.
| Form oder Quelle | Vorkommen | Bedeutung | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Körpereigene Bildung | vor allem in Zellen mit hohem Energiebedarf | Grundversorgung mit Q10 | kein klassischer Bedarf wie bei Vitaminen ableitbar. |
| Lebensmittel | unter anderem Fleisch, Fisch, Innereien, Nüsse und Öle in kleinen Mengen | normale Hintergrundaufnahme | Lebensmittelmengen sind deutlich niedriger als viele Studienmengen. |
| Ubiquinon | häufige Supplementform | oxidierte Q10-Form | wird im Körper teilweise zu Ubiquinol umgewandelt. |
| Ubiquinol | reduzierte Q10-Form | oft mit höherer Aufnahme beworben | höhere Blutwerte sind kein automatischer Wirkungsbeweis. |
| Spezialformulierungen | Sirup, Softgel, Cocrystal, ölbasierte Produkte | können Blutspiegel verändern | Studien gelten nur für die jeweils getestete Formulierung. |
Die Form ist besonders wichtig, weil Q10 fettlöslich ist. Fettlösliche Stoffe lösen sich besser in Fett als in Wasser. Deshalb können Trägerstoff, Kapsel, Mahlzeit und Formulierung die Aufnahme beeinflussen.
Was macht Q10 im Körper?
Q10 ist vor allem ein Baustein des Energiestoffwechsels. Es hilft, Elektronen in der Atmungskette weiterzureichen. Ohne solche Elektronenwege könnten Zellen Nährstoffe nicht effizient in ATP umwandeln.
| Bereich | Rolle von Q10 | Einfach erklärt |
|---|---|---|
| Mitochondrien | Q10 transportiert Elektronen in der Atmungskette | Zellen gewinnen daraus ATP, also direkt nutzbare Energie. |
| Zellschutz | Ubiquinol kann an antioxidativen Prozessen beteiligt sein | Antioxidativ heißt: reaktive Moleküle werden abgefangen oder entschärft. |
| Herzmuskel | Herzmuskelzellen haben viele Mitochondrien | Darum wird Q10 oft in Herzinsuffizienzstudien untersucht. |
| Muskeln | Muskelarbeit braucht viel Energie | Sportstudien prüfen Leistung, Ermüdung und Muskelschadenmarker getrennt. |
| Nervensystem | Gehirn und Nerven haben hohen Energiebedarf | Migräne und Parkinson sind unterschiedliche Kontexte, die nicht vermischt werden dürfen. |
| Reproduktion | Ei- und Samenzellen hängen stark von Energie- und Schutzprozessen ab | Studien betreffen vor allem medizinische Infertilitäts- oder IVF-Kontexte. |
Diese Funktionen erklären, warum Q10 wissenschaftlich interessant ist. Sie beweisen aber nicht, dass zusätzliche Q10-Produkte bei gesunden Menschen automatisch spürbare Vorteile bringen.
Wie der Körper Q10 nutzt
Q10 wird im Darm aufgenommen und über Fetttransportwege im Blut verteilt. Danach gelangt es in Gewebe, in denen Mitochondrien besonders aktiv sind. Im Blut liegt ein großer Teil als Ubiquinol vor, auch wenn Ubiquinon aufgenommen wurde.
Bioverfügbarkeit beschreibt, wie viel eines Stoffes nach der Aufnahme messbar im Blut ankommt. In Studien mit älteren oder gesunden Erwachsenen unterschieden sich Q10-Formulierungen deutlich. Eine wasserlösliche Sirupformulierung erreichte höhere Blutspiegel als eine Standard-Ubiquinon-Kapsel. Eine kleine Crossover-Studie fand für eine Cocrystal-Ubiquinol-Formulierung höhere basiskorrigierte Blutwerte als für eine Ubiquinon-Softgel-Formulierung.
Das klingt eindeutig, ist aber nur ein Teil der Geschichte. Blutspiegel sind Messwerte. Sie zeigen Aufnahme, aber nicht automatisch bessere Herzfunktion, weniger Migräne, bessere Sportleistung oder höhere Fruchtbarkeit.
Wie viel Q10 brauchst du?
Für Q10 gibt es keinen klassischen Tagesbedarf wie bei Vitamin C, Eisen oder Jod. Die DGE nennt in den vorhandenen Q10-Quellen keinen Referenzwert. Auch ein allgemein anerkannter oberer Grenzwert, oft UL genannt, liegt nicht vor.
| Personengruppe | Referenz- oder Sicherheitsrahmen | Was daran wichtig ist |
|---|---|---|
| Erwachsene allgemein | kein DGE-Referenzwert für Q10 | Q10 ist kein klassischer essenzieller Nährstoff mit Bedarfswert. |
| Kinder und Jugendliche | keine direkte breite Studienbasis; VKM übertrug Sicherheitsannahmen teils aus Erwachsenendaten | keine Erwachsenenmengen als Alltagsschluss ableiten. |
| Schwangere und Stillende | BfR und VKM nennen unzureichende Daten | keine robuste allgemeine Sicherheitsbasis für zusätzliche isolierte Aufnahme. |
| Ältere Menschen | Bioverfügbarkeitsstudien und Herzstudien enthalten ältere Gruppen | Studienkontext, kein Bedarfskonzept. |
| Menschen mit Erkrankungen oder Medikamenten | Studien zu Herzinsuffizienz, Statinen, Migräne, Fertilität und Parkinson | medizinische Kontexte bleiben von allgemeiner Ernährung getrennt. |
| Behördenrahmen | BfR, VKM, Health Canada und EFSA bewerten Sicherheit, Claims und Kennzeichnung | kein Ersatz für persönliche Nutzen-Risiko-Abwägung. |
Studienmengen tauchen im Q10-Feld häufig auf: 100 mg, 200 mg, 300 mg, 600 mg oder deutlich mehr. Solche Zahlen beschreiben Studienprotokolle oder Behördenrahmen. Sie sind keine Anleitung zur Einnahme.
Was passiert bei zu wenig?
Bei gesunden Menschen ist ein typischer Q10-Mangel nicht wie ein klassischer Vitaminmangel beschrieben. Das BfR ordnet Q10 nicht als essenziellen Nährstoff ein und nennt keine bekannten Mangelzeichen für die gesunde Allgemeinbevölkerung.
| Kontext | Mögliche Zeichen oder Messpunkte | Betroffene Gruppen | Einordnung |
|---|---|---|---|
| Gesunde Allgemeinbevölkerung | keine typischen Q10-Mangelzeichen aus den Behördenquellen | Erwachsene ohne besonderen medizinischen Kontext | kein DGE-Bedarf und kein einfacher Mangeltest. |
| Primäre CoQ10-Defizienz | mitochondriale Erkrankungsgruppe mit möglicher Beteiligung von Nervensystem, Niere, Herz, Augen, Hören und Muskulatur | seltene genetische Erkrankungen | medizinischer Sonderfall, nicht Alltagsernährung. |
| Statintherapie | niedrigere Q10-Spiegel sind biologisch plausibel | statinbehandelte Erwachsene | niedrigere Spiegel bedeuten nicht automatisch, dass Q10 Muskelschmerzen sicher bessert. |
| Blut- oder Plasma-Q10 | messbarer Statusmarker | Forschung und Spezialdiagnostik | für gesunde Erwachsene kein einfacher Grenzwert aus den Inputs ableitbar. |
Müdigkeit, Muskelschmerzen oder Konzentrationsprobleme sind keine sicheren Q10-Mangelzeichen. Solche Beschwerden können viele Ursachen haben. Q10 eignet sich deshalb nicht für eine schnelle Selbstdiagnose.
Was passiert bei zu viel?
Q10 gilt in vielen Studien als gut verträglich, aber die Sicherheitsantwort ist nicht vollständig. Besonders fehlen robuste Daten für sehr lange hohe Aufnahmen, Schwangerschaft, Stillzeit, Kinder und manche Medikamentenkombinationen.
| Kontext | Menge oder Signal | Mögliche Folge | Einordnung |
|---|---|---|---|
| BfR-Sicherheitsrahmen | bis 300 mg/Tag zusätzlich in Studien | gelegentlich Verdauungsbeschwerden wie Übelkeit, Sodbrennen oder Durchfall; vereinzelt Hautausschlag | über 300 mg/Tag sieht das BfR mehr Wissenslücken. |
| VKM-Risikobewertung | 100 mg/Tag aus Nahrungsergänzungsmitteln | laut VKM wahrscheinlich keine nachteiligen Wirkungen für die betrachteten Altersgruppen | kein allgemeiner UL und keine Nutzenaussage. |
| Humanstudien bei gesunden Erwachsenen in VKM | bis 900 mg/Tag über bis zu vier Wochen | gute Verträglichkeit in kurzer Beobachtung | keine Langzeitantwort über Jahre. |
| Parkinson-QE3-Studie | 1.200 und 2.400 mg/Tag im Studienprotokoll | kein Wirksamkeitsvorteil; Studienabbruch wegen Aussichtslosigkeit, nicht wegen Sicherheitssignal | enger Parkinson-Kontext, keine Alltagseinordnung. |
| Medikamente | Blutdruckmittel und Blutverdünner werden in Behördenhinweisen genannt | mögliche Wechselwirkungen sind nicht ausreichend geklärt | besonders bei Cumarin-Antikoagulanzien vorsichtig einordnen. |
Ein oberer Grenzwert fehlt nicht, weil Q10 grenzenlos sicher wäre. Er fehlt, weil die Daten nicht für einen allgemein anerkannten Wert reichen. Das ist ein wichtiger Unterschied.
Wer muss besonders aufpassen?
Q10 berührt mehrere medizinische Sonderlagen. Dort ist die Forschung oft interessanter, aber auch enger. Ergebnisse aus solchen Gruppen lassen sich nicht frei auf gesunde Menschen übertragen.
| Gruppe oder Situation | Warum sie wichtig ist | Sachliche Einordnung |
|---|---|---|
| Schwangerschaft und Stillzeit | Sicherheitsdaten sind dünn | Behördenhinweise bleiben vorsichtig. |
| Kinder und Jugendliche | direkte Studien fehlen weitgehend | Sicherheitsannahmen beruhen teils auf Übertragung. |
| Menschen mit Blutdruckmedikamenten | Health Canada und BfR nennen Rücksprachehinweise | mögliche Wechselwirkungen sind nicht ausreichend geklärt. |
| Menschen mit Blutverdünnern | besonders Cumarin-Antikoagulanzien werden genannt | ein alter Fallbericht reicht nicht für Sicherheit oder Entwarnung. |
| Statinbehandelte Personen | Statine können Q10-Spiegel senken; Muskelbeschwerden sind häufiges Forschungsthema | Studien sind uneinheitlich und ersetzen keine Statinentscheidung. |
| Onkologische Kontexte | NCI und EFSA trennen CAM- und Claim-Fragen | keine Krebspräventions- oder Therapieaussage. |
| Genetische CoQ10-Defizienz | seltene mitochondriale Erkrankungen | Fachdiagnostik und Behandlung, kein allgemeines Supplementthema. |
Je spezieller die Situation ist, desto weniger hilft eine einfache Q10-Regel. Das gilt besonders bei Erkrankungen, mehreren Medikamenten und Kinderwunschbehandlungen.
Was sagen die Studien?
Die Q10-Forschung ist breit, aber nicht einheitlich. Viele Studien messen Laborwerte oder Symptome in speziellen Gruppen. Das ist nützlich, aber nicht dasselbe wie ein allgemeiner Gesundheitsnutzen.
| Thema | Was berichtet wurde | Einfache Einordnung |
|---|---|---|
| Herzinsuffizienz | Xu et al. fanden in RCTs niedrigere Gesamtsterblichkeit und weniger Krankenhausaufnahmen; Q-SYMBIO berichtete nach 2 Jahren günstige klinische Endpunkte. | Interessantes Signal in einer Patientengruppe, aber kein Präventionsversprechen für Gesunde. |
| Statin-assoziierte Muskelsymptome | Kovacic 2025 fand ein mittleres Schmerzsignal, Kennedy 2020 fand keinen klaren Vorteil bei Myalgie und Statin-Fortführung. | Unterschiedliche Einschlusskriterien und hohe Streuung; kein Ersatz für Statintherapie. |
| Migräne | Sazali 2021 fand weniger Attacken und kürzere Attackendauer, aber keinen klaren Effekt auf Kopfschmerzschwere. | Migräne bleibt ein neurologischer Spezialkontext. |
| Sport und Erholung | Talebi 2024 fand niedrigere Muskelschaden- und Oxidationsmarker; Deng 2025 sah höhere Blut-Q10-Werte, aber inkonsistente Leistungsdaten. | Marker sind nicht automatisch mehr Leistung. |
| Blutdruck und Lipide | Karimi, Liu und Zhang fanden kleine bis moderate Veränderungen bei Labor- oder Messwerten. | Werte wie LDL, Triglyceride oder Blutdruck sind keine direkten Ereignisse. |
| Glykämische Marker | Musazadeh und Zhang berichteten Signale bei Nüchternglucose, HbA1c oder HOMA-IR. | Laborwerte in meist klinischen Gruppen, keine Diabetes-Behandlungsaussage. |
| Oxidativer Stress | Dai fand höhere Gesamtantioxidationskapazität und niedrigere MDA-Werte, aber sehr niedrige Aussagesicherheit. | Marker erklären Biologie, nicht automatisch spürbaren Nutzen. |
| Männliche Infertilität | Bakri 2025 fand Signale bei Spermienkonzentration, Motilität und klinischer Schwangerschaft in wenigen Studien. | medizinischer Infertilitätskontext, keine allgemeine Fruchtbarkeitsaussage. |
| IVF/verminderte ovarielle Reserve | Lin 2024 fand Signale bei klinischer Schwangerschaftsrate, guten Embryonen und Zyklusabbrüchen. Verminderte ovarielle Reserve wird international oft DOR genannt. | alle RCTs aus China; oft Kombinationen mit anderen Stoffen. |
| Parkinson | Die große QE3-Studie fand trotz steigender Blutspiegel keinen Nutzen bei früher Parkinson-Krankheit. | wichtiges Gegenbeispiel gegen allgemeine Neuroprotektion. |
Die Studien werden verständlicher, wenn man sie nach Frage sortiert: Aufnahme im Blut, Marker, Symptome, harte klinische Endpunkte und Sicherheit. Q10 kann in einem Bereich ein Signal zeigen und in einem anderen trotzdem keine überzeugende Wirkung haben.
Co-Abhängigkeiten und Wechselwirkungen
Q10 steht im Körper und in Studien selten allein. Medikamente, Fettaufnahme, Stoffwechselform und Produktform können die Bedeutung verändern.
| Co-Abhängigkeit oder Wechselwirkung | Zusammenhang | Bedeutung für den Körper | Unsicherheit |
|---|---|---|---|
| Fettaufnahme | Q10 ist fettlöslich | Mahlzeit und Formulierung können Blutwerte beeinflussen | nicht jede höhere Aufnahme bedeutet klinischen Nutzen. |
| Statine | Statine können die körpereigene Q10-Bildung mit beeinflussen | plausibler Hintergrund für Muskelstudien | klinischer Nutzen bleibt uneinheitlich. |
| Blutdruckmedikamente | Behörden nennen Rücksprachehinweise | mögliche Wechselwirkung im Kreislaufkontext | Daten reichen nicht für eine einfache Regel. |
| Blutverdünner | Cumarin-Antikoagulanzien werden vorsichtig genannt | Gerinnungskontext kann relevant sein | nur schwache direkte Fallberichte im Input. |
| Ubiquinon/Ubiquinol | beide Formen können ineinander übergehen | Blut liegt überwiegend als Ubiquinol vor | Formvorteile sind nicht automatisch Wirkungsvorteile. |
| Antioxidative Systeme | Q10 kann Redoxprozesse berühren | passt zu oxidativen Stressmarkern | Marker sind keine Diagnose und kein Krankheitsendpunkt. |
Häufige Verwechslungen
Bei Q10 entstehen viele Missverständnisse, weil die Substanz biologisch wichtig ist. Biologische Wichtigkeit ist aber nicht dasselbe wie ein bewiesener Zusatznutzen für jede Person.
| Verwechslung | Bessere Einordnung |
|---|---|
| Q10 ist ein Vitamin | Q10 ist vitaminähnlich, aber der Körper kann es selbst bilden. |
| Kein DGE-Wert heißt unwichtig | Kein DGE-Wert heißt: kein klassischer Bedarf wie bei essenziellen Nährstoffen. |
| Ubiquinol ist immer besser | Ubiquinol oder Spezialformulierungen können Blutwerte erhöhen; klinische Überlegenheit ist damit nicht bewiesen. |
| Mehr Blut-Q10 bedeutet mehr Energie | Blutspiegel zeigen Aufnahme, nicht automatisch spürbare Leistung. |
| Positive Herzstudien gelten für alle | Herzinsuffizienzstudien betreffen Menschen mit bestehender Erkrankung. |
| Migränedaten gelten für Parkinson | Die QE3-Studie bei Parkinson war negativ. |
| Fertilitätsstudien gelten für allgemeine Fruchtbarkeit | Die Daten betreffen Infertilität, IVF/ICSI oder verminderte ovarielle Reserve. |
Infografik-Idee: Drei Ebenen von Q10
- Ziel der Grafik: zeigen, warum Q10-Biologie, Blutspiegel und klinische Studien getrennt gelesen werden müssen.
- Kernaussage: Q10 hilft in der Zelle bei Energieprozessen; höhere Blutwerte oder Markeränderungen beweisen aber nicht automatisch einen spürbaren Nutzen.
- Elemente: links "Mitochondrium und ATP", Mitte "Ubiquinon/Ubiquinol und Blutspiegel", rechts "Studienfelder: Herz, Statin, Migräne, Sport, Fertilität, Parkinson".
- Beschriftungen: "Energieübertragung", "Bioverfügbarkeit", "Marker", "Symptome", "klinische Endpunkte", "Sicherheitsrahmen".
- Datenbasis: BfR, VKM, EFSA, Health Canada, Bioverfügbarkeitsstudien, Herzinsuffizienz-, Statin-, Migräne-, Sport-, Fertilitäts- und Parkinson-Artikel.
- Darstellungsgrenze: Keine Pfeile, die Q10 als Behandlung, Prävention oder allgemeine Leistungssteigerung darstellen.
Häufige Fragen
Ist Q10 ein Vitamin?
Nein. Q10 ist vitaminähnlich, aber kein klassisches Vitamin. Der Körper kann Q10 selbst bilden.
Was ist der Unterschied zwischen Ubiquinon und Ubiquinol?
Ubiquinon ist die oxidierte Form, Ubiquinol die reduzierte Form. Beide können im Körper ineinander übergehen. Produkte unterscheiden sich trotzdem in Aufnahme und Formulierung.
Gibt es einen DGE-Bedarf für Q10?
In den vorhandenen Q10-Quellen gibt es keinen DGE-Referenzwert. Q10 wird deshalb nicht wie ein klassischer essenzieller Nährstoff eingeordnet.
Bedeutet bessere Bioverfügbarkeit auch bessere Wirkung?
Nein. Bioverfügbarkeit zeigt, wie stark Blutwerte nach einer Formulierung steigen. Ob daraus ein klinischer Vorteil entsteht, muss für jedes Thema gesondert untersucht werden.
Hilft Q10 sicher bei Statin-Muskelschmerzen?
Die Studien sind uneinheitlich. Ein aktueller Review fand ein mittleres Schmerzsignal, ein älterer Review fand keinen klaren Vorteil. Statine sollten daraus nicht eigenständig verändert oder abgesetzt werden.
Was sagen die Studien zu Sport?
Q10 kann Blut-Q10 erhöhen und in manchen Reviews Muskelschaden- oder Oxidationsmarker beeinflussen. Direkte Leistungsdaten bleiben aber klein, heterogen und nicht zuverlässig.
Ist Q10 bei Kinderwunsch bewiesen?
Die Daten betreffen spezielle medizinische Gruppen: Männer mit idiopathischer Infertilität oder Frauen mit verminderter ovarieller Reserve vor IVF/ICSI. Das ist keine allgemeine Fruchtbarkeitsaussage.
Warum ist die Parkinson-Studie wichtig?
Die QE3-Studie zeigte trotz hoher Q10-Mengen und steigender Blutspiegel keinen Nutzen bei früher Parkinson-Krankheit. Sie schützt davor, Q10 pauschal als Nervenschutz darzustellen.
Fazit
Q10 ist biologisch wichtig, aber kein klassischer essenzieller Nährstoff. Blutspiegel, Formulierungen und Studienendpunkte müssen getrennt gelesen werden; Studienmengen sind keine Einnahmeempfehlungen.
Quellen
- BfR. Fragen und Antworten zu Coenzym Q10
- EFSA NDA Panel. Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to coenzyme Q10
- Health Canada. Coenzyme Q10 - Ubiquinone-10 monograph
- VKM. Risk assessment of coenzyme Q10 in food supplements
- GeneReviews. Primary Coenzyme Q10 Deficiency Overview
- Musazadeh et al. Effects of coenzyme Q10 supplementation on glycemic control: an umbrella review
- Zhang et al. Effects of coenzyme Q10 supplementation on metabolic biomarkers
- Karimi et al. Effects of coenzyme Q10 supplementation on blood pressure and heart rate
- Liu et al. Effects of Coenzyme Q10 Supplementation on Lipid Profiles in Adults
- Xu et al. Effectiveness of coenzyme Q10 supplementation for heart failure
- Mortensen et al. The effect of coenzyme Q10 on morbidity and mortality in chronic heart failure
- Kovacic et al. Effects of coenzyme Q10 supplementation on myopathy in statin-treated patients
- Kennedy et al. Coenzyme Q10 and statin-associated myalgia: a meta-analysis
- Dai et al. Effects of coenzyme Q10 supplementation on oxidative stress markers
- Talebi et al. The effects of coenzyme Q10 supplementation on biomarkers of exercise-induced muscle damage, physical performance, and oxidative stress
- Deng et al. Coenzyme Q10 supplementation increases blood concentrations but shows limited and inconsistent effects on exercise performance
- Sazali et al. Coenzyme Q10 supplementation for prophylaxis in adult patients with migraine
- Parkinson Study Group QE3 Investigators. A randomized clinical trial of high-dosage coenzyme Q10 in early Parkinson disease
- Bakri et al. Efficacy and Safety of Coenzyme Q10 in Idiopathic Male Infertility
- Lin et al. Clinical evidence of coenzyme Q10 pretreatment for women with diminished ovarian reserve undergoing IVF/ICSI
- Pravst et al. Comparative Bioavailability of Different Coenzyme Q10 Formulations in Healthy Elderly Individuals
- Mei et al. A randomized crossover study investigating a cocrystal ubiquinol formulation compared with ubiquinone