Ubiquinol-Cocrystal versus Ubiquinon: aktuelle Crossover-Studie zur Bioverfügbarkeit

Mei et al. veröffentlichten 2026 eine randomisierte, doppelblinde Crossover-Bioverfügbarkeitsstudie zu CoQ10-Formulierungen. Die Studie erschien in Clinical Pharmacology in Drug Development, Band 15, Heft 3, Artikel e70042.

Studienartikel: Mei et al. (2026) zu Ubiquinol-Cocrystal und Ubiquinon-Bioverfügbarkeit

Kurzprofil

FeldInhalt
Primäre QuelleMei et al. (2026). A Randomized, Double-Blind, Two-Treatment, Two-Period, Crossover Study Investigating the Systemic Bioavailability of a Novel Cocrystal Ubiquinol Formulation Compared with a Ubiquinone Formulation in Healthy Adults.
QuellenartRandomisierte, doppelblinde, zweiarmige, zweiperiodige Crossover-Bioverfügbarkeitsstudie
WirkstoffCoenzym Q10, kurz CoQ10; verglichen wurden eine Ubiquinol-Cocrystal-Formulierung und eine Ubiquinon-Formulierung
Land/KontextStudie an gesunden Erwachsenen; Ethikkommission in Ahmedabad, Gujarat, Indien; Autorinnen und Autoren mit Einrichtungen in China und Singapur
Datenbasis12 gesunde Erwachsene, 6 Männer und 6 Frauen, alle mit beiden Studienperioden
PopulationGesunde Nichtraucherinnen und Nichtraucher im Alter von 45 bis 65 Jahren, BMI 18,5 bis 30,0 kg/m²
Zentrale EndpunkteCmax, AUC0-t, AUC0-inf, Tmax, Halbwertszeit, unerwünschte Ereignisse, Laborwerte, EKG und Vitalzeichen
Originalquellehttps://doi.org/10.1002/cpdd.70042
DOI / PMID / PMCIDDOI: 10.1002/cpdd.70042; PMID: 41789786; PMCID: PMC12965043
VolltextstatusFrei zugänglicher HTML- und PDF-Volltext über Europe PMC verfügbar; Open Access unter CC BY

Mei et al. verglichen unter Nüchternbedingungen eine Cocrystal-Formulierung mit Ubiquinol gegen eine Ubiquinon-Referenzformulierung. Die Studie fand höhere Blutspiegel und eine höhere Fläche unter der Konzentrations-Zeit-Kurve für die Ubiquinol-Cocrystal-Formulierung. Der Befund betrifft die Aufnahme und systemische Verfügbarkeit im Blut; er beweist keine bessere klinische Wirkung und ist wegen der kleinen Pilotstudie eng zu lesen.

Fragestellung

CoQ10 kommt in zwei ineinander umwandelbaren Formen vor: Ubiquinon ist die oxidierte Form, Ubiquinol die reduzierte Form. Beide Formen können im Körper ineinander übergehen. Für Nahrungsergänzungsmittel und pharmazeutische Formulierungen ist aber entscheidend, wie gut eine konkrete Formulierung im Blut messbar ankommt.

Die Studie fragte, ob eine neuartige Cocrystal-Formulierung von Ubiquinol nach einer Einzeldosis eine höhere systemische Bioverfügbarkeit erreicht als eine Ubiquinon-Formulierung. Bioverfügbarkeit meint hier: wie stark und wie lange CoQ10 nach der Einnahme im Plasma messbar ist. Zusätzlich wurde geprüft, ob in dieser kleinen Studie unerwünschte Ereignisse oder klinisch auffällige Sicherheitsbefunde auftraten.

Studiendesign und Methoden

Die Arbeit war eine randomisierte, doppelblinde, balancierte Crossover-Studie mit zwei Behandlungen, zwei Perioden und zwei Sequenzen. Jede Person erhielt beide Formulierungen in unterschiedlicher Reihenfolge. Zwischen den Perioden lag eine Auswaschphase von 14 Tagen.

Die Testformulierung war eine Cocrystal-Ubiquinol-Softgel-Formulierung. Die Referenz war eine Standard-Ubiquinon-Softgel-Formulierung. In beiden Studienperioden wurden 2 × 120 mg verabreicht, also 240 mg als Einzeldosis. Diese Menge ist ein Studienprotokoll und keine Einnahmeempfehlung.

Die Einnahme erfolgte mit 240 ± 2 mL Wasser unter Nüchternbedingungen. Vor der Gabe fasteten die Teilnehmenden mindestens 10 Stunden, danach mindestens 4 Stunden. Blutproben wurden vor der Einnahme bei -1,0, -0,5 und 0 Stunden sowie nach der Einnahme bei 1, 2, 4, 6, 8, 10, 12, 24 und 48 Stunden genommen.

Gemessen wurde gesamtes Ubiquinon im Plasma mit LC-MS/MS. Dafür wurde Ubiquinol im Probenprozess vollständig zu Ubiquinon oxidiert. Für die Basiskorrektur wurde der Mittelwert der drei Vor-Dosis-Proben jeder Person und Periode von den späteren Plasmakonzentrationen abgezogen. Die wichtigsten PK-Werte waren Cmax, AUC0-t, AUC0-inf, Tmax und die terminale Halbwertszeit. Die statistischen Vergleiche nutzten geometrische Least-Squares-Mittelwerte und Test/Referenz-Verhältnisse mit 90-%-Konfidenzintervallen.

Untersuchte Personen oder Datenbasis

Eingeschlossen wurden 12 gesunde Erwachsene, davon 6 Männer und 6 Frauen. Das Alter lag zwischen 45 und 65 Jahren. Der BMI musste zwischen 18,5 und 30,0 kg/m² liegen, das Körpergewicht mindestens 48 kg.

Die Teilnehmenden wurden anhand von Anamnese, Vitalzeichen, körperlicher Untersuchung, Röntgenaufnahme des Brustkorbs, 12-Kanal-EKG, Hämatologie, klinischer Chemie, Lipidprofil und Urinuntersuchung als gesund eingestuft. Frauen erhielten zusätzlich Schwangerschaftstests.

Ausgeschlossen wurden unter anderem Personen mit bekannter Überempfindlichkeit gegen Ubiquinol oder Hilfsstoffe, relevanten Erkrankungen, Malignität, Schluckbeschwerden, Störungen des Magen-Darm-Trakts oder der Blutbildung, Medikamenten mit enzymverändernder Wirkung innerhalb von 28 Tagen sowie verschreibungspflichtigen Arzneien, rezeptfreien Produkten oder Supplementen innerhalb von 14 Tagen vor der Gabe.

Intervention, Exposition und Vergleich

Die Intervention war eine einzelne Gabe der Cocrystal-Ubiquinol-Formulierung mit 240 mg CoQ10. Die Vergleichsbedingung war eine einzelne Gabe einer Ubiquinon-Formulierung mit ebenfalls 240 mg CoQ10.

Der Vergleich ist damit ein Formulierungsvergleich bei gleicher nomineller CoQ10-Menge. Er beantwortet nicht, welche Formulierung bei Krankheit, Langzeitanwendung oder bestimmten Zielwerten klinisch überlegen ist. Er zeigt, wie sich die beiden geprüften Formulierungen in Blutspiegeln und PK-Werten unter den engen Bedingungen dieser Studie unterschieden.

Ergebnisse

Alle 12 Teilnehmenden schlossen beide Studienperioden ab und wurden in die PK- und statistischen Analysen aufgenommen.

In der basiskorrigierten Auswertung war die maximale Plasmakonzentration (Cmax) unter der Ubiquinol-Cocrystal-Formulierung höher als unter der Ubiquinon-Referenz: arithmetischer Mittelwert 1,041 ± 0,585 µg/mL gegenüber 0,486 ± 0,314 µg/mL. Der Median lag bei 1,005 µg/mL gegenüber 0,407 µg/mL.

Auch die Fläche unter der Kurve bis zur letzten messbaren Konzentration (AUC0-t) war höher: 20,249 ± 10,724 h·µg/mL unter der Ubiquinol-Cocrystal-Formulierung gegenüber 10,253 ± 5,616 h·µg/mL unter Ubiquinon. Für AUC0-inf berichtete die Tabelle 38,636 ± 28,892 h·µg/mL gegenüber 17,246 ± 10,016 h·µg/mL; für die Referenz gingen bei diesem Wert nur 7 Personen ein, weil nicht bei allen ein terminaler log-linearer Abschnitt berechnet werden konnte.

Die statistischen Test/Referenz-Verhältnisse bestätigten dieses Muster. Basiskorrigiert lag das geometrische Verhältnis für Cmax bei 2,20 (90-%-KI 1,59 bis 3,04), für AUC0-t bei 2,01 (90-%-KI 1,51 bis 2,70) und für AUC0-inf bei 3,43 (90-%-KI 1,47 bis 8,00). Das bedeutet: In dieser Studie waren Peak und kurzfristige Exposition im Mittel ungefähr doppelt so hoch; die extrapolierte Gesamtexposition war rechnerisch stärker erhöht, aber mit breitem Konfidenzintervall und geringer Power.

Die unbereinigte Auswertung war weniger eindeutig für AUC0-inf. Unkorrigiert betrug das Test/Referenz-Verhältnis 1,53 für Cmax (90-%-KI 1,24 bis 1,88), 1,28 für AUC0-t (90-%-KI 1,15 bis 1,42) und 0,44 für AUC0-inf (90-%-KI 0,22 bis 0,85). Die Autorengruppe stellte deshalb beide Auswertungen dar. Für endogene Stoffe wie CoQ10 ist die Basiskorrektur besonders relevant, weil bereits vor der Einnahme messbare Ausgangswerte vorhanden sind.

Die Variabilität war hoch. In der basiskorrigierten Auswertung lag die intraindividuelle Streuung bei 46,2 % für Cmax, 40,9 % für AUC0-t und 61,8 % für AUC0-inf. Die nachträgliche Power wurde für die basiskorrigierten Hauptwerte mit 29,1 % für Cmax, 34,1 % für AUC0-t und 10,2 % für AUC0-inf angegeben. Etwa 60 % der Teilnehmenden zeigten laut Diskussion einen deutlichen Anstieg der Bioverfügbarkeit mit Ubiquinol; die Expositionszunahmen reichten dort von 2,4- bis 8-fach. Diese Einzelpersonen-Unterschiede zeigen, dass Formulierung und individuelle Absorption stark auseinandergehen können.

Nebenwirkungen und Sicherheit

Unerwünschte Ereignisse wurden während der gesamten Studie überwacht. Zusätzlich wurden körperliche Untersuchungen, Vitalzeichen, 12-Kanal-EKG, Hämatologie, klinische Chemie, Lipidprofil und Urinuntersuchungen ausgewertet.

Die Studie berichtete keine unerwünschten Ereignisse, keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse und keine klinisch relevanten Veränderungen bei Laborwerten, EKG oder Vitalzeichen. Dieser Befund gilt für 12 gesunde Erwachsene, eine Einzeldosis und den kurzen Beobachtungsrahmen der Studie.

Aus der Quelle lässt sich keine belastbare Langzeitsicherheit ableiten. Sie beantwortet auch keine Fragen zu Kindern, Schwangerschaft, Stillzeit, Arzneimittelwechselwirkungen, chronischen Erkrankungen, sehr hohen Langzeitmengen oder seltenen Nebenwirkungen.

Grenzen der Aussagekraft

Die wichtigste Grenze ist die kleine Stichprobe. Zwölf Personen reichen aus, um in einer Pilotstudie ein PK-Signal zu prüfen, aber nicht, um seltene Nebenwirkungen, stabile Subgruppenunterschiede oder klinische Endpunkte zu bewerten.

Eine zweite Grenze ist das Einzeldosisdesign. Die Studie zeigt Blutspiegel nach einer einzelnen Gabe unter Nüchternbedingungen. Sie zeigt nicht, was bei wiederholter Einnahme, Steady State, Einnahme mit Mahlzeiten, unterschiedlichen Fettmengen oder Langzeitanwendung passiert.

Eine dritte Grenze betrifft die Population. Untersucht wurden gesunde Erwachsene zwischen 45 und 65 Jahren. Ältere Menschen, Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, neurologischen Erkrankungen, Malabsorption oder anderen klinischen Situationen wurden nicht direkt untersucht.

Eine vierte Grenze ist der Formulierungsbezug. Der Vergleich gilt für die konkret geprüfte Cocrystal-Ubiquinol-Softgel-Formulierung und die konkret geprüfte Ubiquinon-Softgel-Referenz. Er ist kein pauschaler Beweis, dass jede Ubiquinol-Form jeder Ubiquinon-Form überlegen ist.

Außerdem wurde die Studie durch Cocrystal Health Industry Co., Ltd. finanziert; das Unternehmen stellte auch Test- und Referenzformulierung bereit. Die Autorengruppe erklärte keine Interessenkonflikte. Die Finanzierung und Materialbereitstellung sollten bei der Einordnung dennoch mitgelesen werden.

Was die Studie zeigt

Die Studie zeigt, dass die geprüfte Cocrystal-Ubiquinol-Formulierung bei 12 gesunden Erwachsenen unter Nüchternbedingungen höhere basiskorrigierte Plasmawerte erreichte als die geprüfte Ubiquinon-Formulierung mit gleicher nomineller CoQ10-Menge.

Sie zeigt außerdem, dass die Bioverfügbarkeit von CoQ10 stark individuell schwanken kann. Die Basiskorrektur ist bei CoQ10 wichtig, weil der Stoff bereits vor der Einnahme im Blut vorhanden ist.

Was die Studie nicht zeigt

Die Studie zeigt keine bessere klinische Wirkung. Sie untersuchte keine Krankheitsendpunkte, keine Leistungsendpunkte, keine Symptome, keine Langzeitmarker und keine therapeutischen Zielgruppen.

Sie zeigt auch keine persönliche Einnahme-, Therapie-, Diagnose-, Kauf- oder Produktempfehlung. Die getestete Menge, die Formulierungen und das Nüchternprotokoll sind Merkmale des Studiendesigns.

Kompakte Faktenzusammenfassung

  • Mei et al. veröffentlichten 2026 eine randomisierte, doppelblinde Crossover-Bioverfügbarkeitsstudie zu CoQ10-Formulierungen.
  • Die Studie erschien in Clinical Pharmacology in Drug Development, Band 15, Heft 3, Artikel e70042.
  • Verifiziert sind DOI 10.1002/cpdd.70042, PMID 41789786 und PMCID PMC12965043.
  • Der Volltext ist über Europe PMC frei zugänglich.
  • Untersucht wurden 12 gesunde Erwachsene, 6 Männer und 6 Frauen, im Alter von 45 bis 65 Jahren.
  • Verglichen wurden 240 mg einer Cocrystal-Ubiquinol-Softgel-Formulierung und 240 mg einer Ubiquinon-Softgel-Formulierung.
  • Die Einnahme erfolgte unter Nüchternbedingungen; zwischen den Studienperioden lagen 14 Tage.
  • Blutproben wurden bis 48 Stunden nach der Einnahme genommen.
  • Basiskorrigiert lag das Test/Referenz-Verhältnis bei 2,20 für Cmax, 2,01 für AUC0-t und 3,43 für AUC0-inf.
  • Die basiskorrigierte Cmax betrug im Mittel 1,041 µg/mL unter Ubiquinol-Cocrystal und 0,486 µg/mL unter Ubiquinon.
  • Die basiskorrigierte AUC0-t betrug im Mittel 20,249 h·µg/mL unter Ubiquinol-Cocrystal und 10,253 h·µg/mL unter Ubiquinon.
  • Es wurden keine unerwünschten Ereignisse und keine klinisch relevanten Labor-, EKG- oder Vitalzeichenänderungen berichtet.
  • Die Aussage ist auf eine kleine Einzeldosis-Pilotstudie bei gesunden Erwachsenen begrenzt.
  • Höhere Bioverfügbarkeit im Blut bedeutet nicht automatisch bessere klinische Wirkung.
  • Die Quelle liefert keine Therapie-, Diagnose-, Kauf-, Produkt- oder persönliche Dosierungsempfehlung.

Quellen

  1. Originalquelle
  2. PubMed
  3. PDF