CoQ10-Formulierungen im Vergleich: Bioverfügbarkeit bei älteren Erwachsenen
Randomisierte Crossover-Bioverfügbarkeitsstudie aus dem Jahr 2020. Veröffentlicht in Nutrients, 12(3), Artikel 784.
Studienartikel: Pravst et al. (2020) zu CoQ10-Formulierungen und Bioverfügbarkeit
Kurzprofil
| Feld | Inhalt |
|---|---|
| Primäre Quelle | Pravst et al. (2020). Comparative Bioavailability of Different Coenzyme Q10 Formulations in Healthy Elderly Individuals. |
| Quellenart | Randomisierte, offene, dreiarmige Crossover-Bioverfügbarkeitsstudie |
| Wirkstoff | Coenzym Q10, kurz CoQ10 |
| Land/Kontext | Slowenien; gesunde ältere Erwachsene aus dem Raum Ljubljana; veröffentlicht in Nutrients |
| Datenbasis | 21 Personen, alle absolvierten alle drei Behandlungsperioden |
| Population | Gesunde ältere Erwachsene, Median 68 Jahre, Spannweite 65 bis 73 Jahre, ohne verschreibungspflichtige Medikation im Studienzeitraum |
| Zentrale Endpunkte | Plasma-CoQ10 über 48 Stunden, ΔAUC48, Δcmax, tmax und Verhältnis von reduziertem zu gesamtem CoQ10 |
| Originalquelle | https://doi.org/10.3390/nu12030784 |
| DOI / PMID / PMCID | DOI: 10.3390/nu12030784; PMID: 32188111; PMCID: PMC7146408 |
| Volltextstatus | Frei zugänglicher PMC- und MDPI-Volltext, PDF verfügbar |
Pravst et al. prüften, wie stark drei CoQ10-Formulierungen nach einer Einzeldosis im Blut messbar werden. Die Studie verglich eine wasserlösliche Ubiquinon-Sirupformulierung, eine Ubiquinol-Kapsel und eine Standard-Ubiquinon-Kapsel bei gesunden älteren Erwachsenen. Das wichtigste Ergebnis war ein höherer 48-Stunden-Blutspiegelverlauf für die wasserlösliche Formulierung gegenüber der Standard-Ubiquinon-Kapsel. Die Studie untersuchte Bioverfügbarkeit, nicht klinische Wirksamkeit.
Fragestellung
CoQ10 ist eine fettlösliche Verbindung. Für die Aufnahme aus dem Darm ist das wichtig, weil schlecht wasserlösliche Stoffe je nach Formulierung sehr unterschiedlich verfügbar sein können. Bei CoQ10 werden deshalb verschiedene Darreichungsformen genutzt, etwa ölbasierte Kapseln, Ubiquinol, Ubiquinon oder solubilisierte Formulierungen.
Die Forschungsfrage lautete: Erreichen drei unterschiedliche CoQ10-Formulierungen nach derselben nominellen Menge von 100 mg unterschiedliche Plasmawerte bei gesunden älteren Erwachsenen? Zusätzlich wollten die Forschenden wissen, ob die eingenommene Form das Verhältnis von reduziertem CoQ10, also Ubiquinol, zu gesamtem CoQ10 im Blut verändert.
Studiendesign und Methoden
Die Studie war ein einzentrumiges, randomisiertes Crossover-Experiment mit drei Behandlungsperioden. Jede Person erhielt nacheinander alle drei Formulierungen. Zwischen den Perioden lag jeweils eine einwöchige Auswaschphase. Die Studie war offen, weil die Produkte äußerlich nicht gleich waren: zwei Produkte waren Kapseln, eines war ein Sirup.
Verglichen wurden drei Formulierungen mit jeweils 100 mg CoQ10:
| Kürzel | Formulierung | Beschreibung |
|---|---|---|
| IP | wasserlösliche CoQ10-Sirupformulierung | Q10Vital-Wasserlösungsform von CoQ10, 100 mg Ubiquinon in 5 mL Sirup |
| CP | Ubiquinol-Kapsel | reduzierte Form von CoQ10, 100 mg Ubiquinol pro Kapsel |
| SP | Standard-Ubiquinon-Kapsel | oxidierte Form von CoQ10, 100 mg Ubiquinon pro Kapsel |
Die Reihenfolge wurde randomisiert. Die Teilnehmenden kamen bereits am Vortag ins Studienzentrum. Mittagessen, Abendessen und die Mahlzeiten nach Einnahme waren standardisiert. Nach einer Fastenphase am Morgen wurde das jeweilige Produkt zusammen mit einem leichten Frühstück aus Brot, laktosefreiem Joghurt und 200 mL Wasser eingenommen.
Blutproben wurden zu Beginn sowie 1, 2, 3, 4, 5, 6, 8, 12, 24 und 48 Stunden nach Einnahme entnommen. Aus den Plasmawerten berechnete die Arbeitsgruppe unter anderem die Fläche unter der Konzentrationskurve bis 48 Stunden (AUC48), die baselinekorrigierte Fläche (ΔAUC48), die maximale Konzentration (cmax), den baselinekorrigierten Maximalanstieg (Δcmax) und den Zeitpunkt der maximalen Konzentration (tmax).
Untersuchte Personen oder Datenbasis
Eingeschlossen wurden gesunde ältere Erwachsene aus Zentralslowenien. Das Alter lag im Mittel bei 68,5 Jahren, der Median lag bei 68 Jahren. Die Spannweite betrug 65 bis 73 Jahre. Das mittlere Körpergewicht lag bei 68,4 kg, die mittlere Körpergröße bei 167 cm und der mittlere BMI bei 24,7 kg/m².
Die Einschlusskriterien verlangten unter anderem eine schriftliche Einwilligung, einen BMI zwischen 20 und 29 kg/m², Verzicht auf andere Nahrungsergänzungsmittel außer Vitamin D und Calcium sowie die Fähigkeit, die standardisierten Milch- und Getreidebestandteile der Studienmahlzeiten zu verzehren.
Ausgeschlossen wurden unter anderem Personen mit verschreibungspflichtiger Medikation kurz vor Studienbeginn, relevanten Erkrankungen des Verdauungstrakts, der Leber, der Nieren, des Herz-Kreislauf-Systems oder des Blutsystems, Diabetes, schweren akuten oder chronischen Erkrankungen, Nikotin- oder Tabakkonsum, Drogen- oder Alkoholmissbrauch, relevanten Nahrungsmittelunverträglichkeiten sowie Teilnahme an anderen Studien oder Blutspende in den vorherigen drei Monaten.
Die Ausgangswerte für gesamtes Plasma-CoQ10 waren zwischen den drei Perioden ähnlich. Die Mittelwerte lagen bei 1,15 mg/L vor der Sirupformulierung, 1,07 mg/L vor der Ubiquinol-Kapsel und 1,14 mg/L vor der Standard-Ubiquinon-Kapsel.
Intervention, Exposition und Vergleich
Die Intervention war eine Einzeldosis von 100 mg CoQ10 je Formulierung. Diese Menge beschreibt das Studienprotokoll und ist keine Einnahmeempfehlung. Weil alle Personen alle drei Formulierungen erhielten, konnte jede Person gewissermaßen mit sich selbst verglichen werden. Das reduziert Unterschiede, die in Parallelgruppenstudien durch unterschiedliche Ausgangswerte entstehen können.
Der Vergleich war pharmakokinetisch: Entscheidend war, wie hoch und wie lange CoQ10 nach der Einnahme im Plasma messbar war. Die Studie prüfte keine Krankheitssymptome, keine Leistungsfähigkeit, keine Herz-Kreislauf-Ereignisse und keine Langzeitwirkung.
Ergebnisse
Die drei Formulierungen erhöhten Plasma-CoQ10 nach der Einzeldosis. Die deutlichsten Unterschiede zeigten sich bei den baselinekorrigierten Parametern ΔAUC48 und Δcmax.
| Parameter | Wasserlösliche CoQ10-Sirupformulierung | Ubiquinol-Kapsel | Standard-Ubiquinon-Kapsel |
|---|---|---|---|
| ΔAUC48, geometrisches Mittel | 23,3 h·mg/L | 15,9 h·mg/L | 9,5 h·mg/L |
| Δcmax, geometrisches Mittel | 0,84 mg/L | 0,62 mg/L | 0,41 mg/L |
| tmax, Median | 12 h | 12 h | 12 h |
Für ΔAUC48 unterschieden sich die Produkte insgesamt statistisch signifikant (ANOVA p = 0,005). Im Paarvergleich war die wasserlösliche Sirupformulierung gegenüber der Standard-Ubiquinon-Kapsel höher: Verhältnis 2,44, 95-%-Konfidenzintervall 1,33 bis 4,50, p = 0,002. Die Ubiquinol-Kapsel lag rechnerisch 1,66-fach über der Standard-Ubiquinon-Kapsel, erreichte aber keine statistische Signifikanz: 95-%-Konfidenzintervall 0,90 bis 3,06, p = 0,129. Zwischen wasserlöslicher Sirupformulierung und Ubiquinol-Kapsel zeigte sich ebenfalls kein signifikanter Unterschied: Verhältnis 1,47, 95-%-Konfidenzintervall 0,80 bis 2,70, p = 0,366.
Für Δcmax ergab sich ein ähnliches Bild. Die wasserlösliche Sirupformulierung lag gegenüber der Standard-Ubiquinon-Kapsel höher: Verhältnis 2,04, 95-%-Konfidenzintervall 1,21 bis 3,42, p = 0,004. Die Ubiquinol-Kapsel war gegenüber der Standard-Ubiquinon-Kapsel rechnerisch höher, aber nicht signifikant: Verhältnis 1,50, 95-%-Konfidenzintervall 0,90 bis 2,53, p = 0,167. Zwischen Sirupformulierung und Ubiquinol-Kapsel bestand auch für Δcmax kein signifikanter Unterschied.
Der Zeitpunkt der maximalen Konzentration war ähnlich. Der Median lag bei allen drei Produkten bei 12 Stunden. Die Mittelwerte waren wegen hoher Streuung breiter verteilt. Nach 48 Stunden lagen die Plasmawerte bei allen drei Formulierungen noch über dem Ausgangswert. Die Autorengruppe folgerte daraus, dass eine längere Beobachtungszeit für solche Bioverfügbarkeitsstudien informativ sein könnte.
Ein zusätzlicher Befund betraf den Redoxstatus. Der größte Teil des gemessenen gesamten CoQ10 lag im Plasma als reduzierte Form, also als Ubiquinol, vor. Das galt unabhängig davon, ob Ubiquinon oder Ubiquinol eingenommen wurde. Für die verglichenen Formulierungen fanden die Forschenden keine signifikanten Unterschiede im Verhältnis von reduziertem zu gesamtem CoQ10. Die geometrischen Mittel lagen in den Tabellen grob um 0,84 bis 0,97, je nach Parameter und Formulierung.
Nebenwirkungen und Sicherheit
Die Studie war nicht als Sicherheits- oder Langzeitstudie angelegt. Sie berichtet ein kontrolliertes Einzeldosis-Experiment mit kurzer Beobachtungszeit und 21 gesunden älteren Erwachsenen. Aus dem Volltext lassen sich keine belastbaren Aussagen zu seltenen Nebenwirkungen, Langzeitverträglichkeit, Arzneimittelwechselwirkungen, Schwangerschaft, Stillzeit, Kindern oder Menschen mit relevanten Erkrankungen ableiten.
Die Ein- und Ausschlusskriterien waren streng. Personen mit verschreibungspflichtiger Medikation, Diabetes, relevanten Organerkrankungen, Nikotin- oder Tabakkonsum und mehreren weiteren Risikofaktoren wurden ausgeschlossen. Dadurch war die Studie gut kontrolliert, aber nicht repräsentativ für ältere Menschen mit typischen Mehrfacherkrankungen oder regelmäßiger Medikation.
Grenzen der Aussagekraft
Die wichtigste Grenze ist die kleine Stichprobe. 21 Personen reichen für eine pharmakokinetische Crossover-Frage, aber nicht für Aussagen zu klinischen Wirkungen oder seltenen Sicherheitsereignissen. Die Studie misst Blutspiegel, nicht Gesundheitsergebnisse.
Eine zweite Grenze ist die offene Durchführung. Die Produkte unterschieden sich in Darreichungsform und Aussehen, daher war keine Verblindung möglich. Für Laborparameter ist das weniger problematisch als für subjektive Endpunkte, aber es bleibt ein methodischer Unterschied zu einer verblindeten Studie.
Eine dritte Grenze ist die hohe individuelle Streuung. Besonders bei der Ubiquinol-Kapsel waren die ΔAUC48- und Δcmax-Werte stark variabel. Das zeigt, dass Bioverfügbarkeit bei schlecht wasserlöslichen Stoffen nicht nur von der Formulierung, sondern auch von individuellen Faktoren abhängen kann.
Eine vierte Grenze betrifft die Beobachtungszeit. Nach 48 Stunden lagen die CoQ10-Werte noch über dem Ausgangsniveau. Die Studie bildet deshalb nicht die vollständige Rückkehr zum Ausgangswert ab. Für eine vollständige pharmakokinetische Kurve wäre eine längere Messzeit nützlich gewesen.
Außerdem war das Projekt mit öffentlicher und industrieller Förderung verbunden. Die Quelle nennt die slowenische Forschungsagentur und Valens Int. als Förderer; im Artikel steht zugleich, dass die Förderorganisationen keine Rolle bei Studiendurchführung, Datenanalyse oder Manuskripterstellung hatten. PubMed führt die Erklärung, dass die Autorengruppe keine Interessenkonflikte angibt.
Was die Studie zeigt
Die Studie zeigt, dass CoQ10-Formulierungen bei gleicher nomineller Einzeldosis unterschiedliche Plasmaverläufe erzeugen können. In dieser kontrollierten Crossover-Studie war die wasserlösliche Ubiquinon-Sirupformulierung der Standard-Ubiquinon-Kapsel bei ΔAUC48 und Δcmax statistisch überlegen.
Die Studie zeigt außerdem, dass die Ubiquinol-Kapsel rechnerisch höhere Werte als die Standard-Ubiquinon-Kapsel erreichte, dieser Unterschied in dieser kleinen Studie aber nicht statistisch signifikant war. Das Verhältnis von reduziertem zu gesamtem CoQ10 im Plasma unterschied sich nicht signifikant zwischen den Formulierungen.
Was die Studie nicht zeigt
Die Studie zeigt nicht, dass eine bestimmte CoQ10-Formulierung klinisch wirksamer ist. Höhere Plasmawerte bedeuten nicht automatisch bessere Herz-Kreislauf-Endpunkte, bessere Energie, bessere Sportleistung, bessere Fertilität oder allgemein bessere Gesundheit.
Die Studie liefert auch keine Produkt-, Kauf- oder Einnahmeempfehlung. Die getesteten Produkte waren konkrete Studienformulierungen. Die Ergebnisse dürfen nicht pauschal auf alle Sirupe, alle Kapseln, alle Ubiquinol-Produkte oder alle Ubiquinon-Produkte übertragen werden.
Kompakte Faktenzusammenfassung
- Pravst et al. veröffentlichten 2020 eine randomisierte Crossover-Bioverfügbarkeitsstudie zu drei CoQ10-Formulierungen.
- Die Studie erschien in Nutrients, Band 12, Heft 3, Artikel 784.
- Untersucht wurden 21 gesunde ältere Erwachsene aus Slowenien.
- Das mittlere Alter lag bei 68,5 Jahren; die Spannweite betrug 65 bis 73 Jahre.
- Jede Person erhielt nacheinander drei Einzeldosen mit jeweils 100 mg CoQ10.
- Verglichen wurden eine wasserlösliche Ubiquinon-Sirupformulierung, eine Ubiquinol-Kapsel und eine Standard-Ubiquinon-Kapsel.
- Zwischen den Behandlungsperioden lag jeweils eine einwöchige Auswaschphase.
- Blutproben wurden bis 48 Stunden nach Einnahme erhoben.
- Die wasserlösliche Sirupformulierung hatte gegenüber der Standard-Ubiquinon-Kapsel eine höhere ΔAUC48: Verhältnis 2,44; 95-%-KI 1,33 bis 4,50; p = 0,002.
- Die Ubiquinol-Kapsel lag gegenüber der Standard-Ubiquinon-Kapsel rechnerisch höher, aber nicht signifikant: ΔAUC48-Verhältnis 1,66; 95-%-KI 0,90 bis 3,06; p = 0,129.
- Für Δcmax war die wasserlösliche Sirupformulierung gegenüber der Standard-Ubiquinon-Kapsel ebenfalls höher: Verhältnis 2,04; 95-%-KI 1,21 bis 3,42; p = 0,004.
- Der Median von tmax lag bei allen drei Formulierungen bei 12 Stunden.
- Das Plasma-CoQ10 lag überwiegend als Ubiquinol vor, auch nach Einnahme von Ubiquinon.
- Die Studie misst Bioverfügbarkeit und keine klinische Wirksamkeit.
- Die Quelle liefert keine Einnahme-, Therapie-, Diagnose-, Produkt- oder Kaufempfehlung.