Thiaminmangelerkrankungen: Diagnose, Prävalenz und Fahrplan für globale Kontrollprogramme
Der narrative Review bündelt Manifestationen, Statusmarker, Risikokonstellationen und Ansätze für globale Thiamin-Kontrollprogramme.
Welche Evidenz zusammengeführt wurde
Die Autoren verbinden einen umfangreichen narrativen Review mit einer technischen Konsultation. Berücksichtigt werden weltweite Populationen, mit Schwerpunkt auf Ländern niedrigen und mittleren Einkommens. Der Review ordnet Diagnostik, Surveillance, Fortifikation und Supplementierung ein, definiert aber keine geschlossene Primärstudienmenge und führt keine formale Meta-Analyse durch.
Risikokonstellationen
Als Risiken nennt die Übersicht monotone Ernährung mit poliertem Reis oder Maniok, thiaminantagonistische Lebensmittel, Ernährungsunsicherheit, Konflikt, Vertreibung, Hungersnot und schwere akute Mangelernährung. Diese Expositionen erhöhen die Plausibilität eines Mangels, belegen ihn aber nicht bei jeder betroffenen Person.
Warum Diagnose und Prävalenz schwierig bleiben
Sowohl die funktionelle Messung der Erythrozyten-Transketolase als auch die direkte Bestimmung von Thiamindiphosphat können genutzt werden. Laborunterschiede, Probenhandhabung, Kühlketten und fehlende allgemein akzeptierte Grenzwerte erschweren jedoch die Vergleichbarkeit. In Mangelpopulationen können symptomatische und nicht symptomatische Menschen ähnlich niedrige Werte aufweisen.
Unterschiedliche Assays und wenige repräsentative Biomarkerdaten verhindern eine robuste globale Prävalenzschätzung. Ersatzgrößen wie Nahrungsverfügbarkeit oder altersspezifische Säuglingssterblichkeit sind Hinweise, aber keine Messung des Thiaminstatus.
Was Kontrollprogramme leisten können
Der Review berichtet, dass Lebensmittelfortifikation sowie Supplementierung von Schwangeren, Stillenden und kleinen Kindern den Thiaminstatus erhöhen und infantile Beri-Beri verringern können. Die Versuchsdaten werden jedoch als begrenzt bezeichnet. Geeignete Lebensmittelvehikel und Programme müssen an lokale Ernährungsweisen, Technik und Kultur angepasst werden.
Fazit
Der Review bietet einen Fahrplan für Surveillance und Prävention, ohne eine präzise globale Häufigkeit behaupten zu können. Programme sind plausibel und teilweise wirksam, müssen aber lokal geplant und besser gemessen werden. Die stoffweite Einordnung steht im Vitamin-B1-Hauptartikel.