Wirkungen einer zwölfmonatigen Benfotiaminbehandlung auf morphometrische, neurophysiologische und klinische Messwerte bei Menschen mit Typ-2-Diabetes und symptomatischer Polyneuropathie: randomisierte, placebokontrollierte, doppelblinde BOND-Studie
Benfotiamin erhöhte die Thiamin-Analyten im Blut, verbesserte die untersuchten Nerven- und Neuropathie-Endpunkte nach zwölf Monaten aber nicht signifikant.
Was die Studie klären sollte
Geprüft wurde, ob eine längerfristige Benfotiaminbehandlung strukturelle und funktionelle Zeichen einer diabetischen Polyneuropathie beeinflusst. Die Studie trennt damit einen klaren biochemischen Expositionseffekt von klinischen und nervenbezogenen Endpunkten. Die stoffweite Einordnung steht im Vitamin-B1-Überblick.
Design, Population und Intervention
Die monozentrische doppelblinde Phase-II-Parallelstudie randomisierte 57 Menschen mit Typ-2-Diabetes und leichter bis mäßiger symptomatischer diabetischer sensomotorischer Polyneuropathie im Verhältnis 1:1. Die Teilnehmenden wurden nicht nach ihrem Vitamin-B1-Status ausgewählt.
Die Intervention bestand aus 300 mg Benfotiamin zweimal täglich, insgesamt 600 mg pro Tag, über zwölf Monate. Die Kontrollgruppe erhielt Placebo. Primärer Endpunkt war die Veränderung der kornealen Nervenfaserlänge, gemessen mit konfokaler Mikroskopie.
Sekundär wurden weitere Parameter der Hornhautnerven, Hautbiopsie, Nervenleitung, quantitative Sensorik, autonome und sudomotorische Tests, Symptom- und klinische Skalen sowie Lebensqualität untersucht. Auch unerwünschte Ereignisse wurden erfasst.
Ergebnisse
Die Veränderung der kornealen Nervenfaserlänge unterschied sich nach zwölf Monaten nicht zwischen Benfotiamin und Placebo. Auch bei den übrigen morphometrischen, neurophysiologischen und klinischen Neuropathie-Endpunkten sowie der Lebensqualität fanden sich keine signifikanten Gruppenunterschiede.
Der Neuropathy Symptom Score zeigte einen nicht signifikanten Trend zugunsten von Benfotiamin. Mit p=0,098 überschritt er die übliche Signifikanzschwelle und ist kein Wirksamkeitsnachweis.
Gleichzeitig stiegen alle sechs untersuchten Thiamin-Analyten im Blut gegenüber Placebo an, jeweils mit p≤0,003. Das bestätigt die biochemische Exposition, belegt aber keinen Nutzen für die Neuropathie.
Sicherheit und Grenzen
Benfotiamin wurde über zwölf Monate gut vertragen; kein schwerwiegendes unerwünschtes Ereignis wurde als mit dem Studienmedikament zusammenhängend bewertet. Insgesamt traten in beiden Armen viele Ereignisse auf. Fünf Personen im Benfotiaminarm hatten besonders viele Ereignisse, die als nicht oder nur unwahrscheinlich arzneibedingt eingestuft wurden.
Die Aussagekraft ist durch den Phase-II-Charakter, ein einzelnes Zentrum und nur 57 randomisierte Personen begrenzt. Die Ausgangssymptome waren eher mild bis moderat, sekundäre Endpunkte möglicherweise statistisch unterpowert, und zwölf Monate könnten für eine langsam fortschreitende Neuropathie zu kurz sein.
Fazit
Die Studie zeigt eine klare Veränderung der Thiamin-Biomarker, aber keinen signifikanten morphometrischen, neurophysiologischen oder klinischen Neuropathienutzen innerhalb von zwölf Monaten. Die Nullbefunde gelten für die untersuchte Population und schließen Effekte in anderen Krankheitsstadien oder über längere Zeiträume nicht vollständig aus.